Nächster Halt: Wir zwei
- Christoph

- 29. Juli 2025
- 2 Min. Lesezeit
(Zwei Autos, vier Ampeln, ein kleines Gespräch mit großem Effekt)

Freunde, Freunde, Freunde!
Manchmal hat der Alltag diese stillen Running Gags für uns vorbereitet, ohne dass wir’s merken.
So auch diese Woche:
Ich bin viermal – viermal! – hintereinander an derselben Ampel neben demselben Auto gestanden.
Er in einem dunkelblauen Kombi.
Ich im Zustand „leicht genervt, aber freundlich genug für den Straßenverkehr“.
Beim dritten Mal haben wir beide gelacht.
Beim vierten Mal war klar: Jetzt müssen wir reden.
Er sagte: „Das ist jetzt aber schon Absicht, oder?“
Ich: „Entweder Schicksal – oder wir teilen uns denselben schlechten Zeitmanager.“
Wir grinsten.
Und ließen gleichzeitig die Fenster runter.
(Also wirklich: synchron. Als hätten wir dafür geprobt.)
Was man halt so macht an einer roten Ampel:
Smalltalk über große Themen.
Wir haben gesprochen über:
– Zölle auf chinesische E-Autos,
(„Ich blick da nicht mehr durch – was darf jetzt rein, was nicht? Und warum überhaupt sind die alle schneller als ich?“)
– Verkehrsberuhigungskonzepte,
(„Hier eine Fahrradstraße, da eine Begegnungszone – aber kein Mensch begegnet sich, weil alle gestresst sind.“)
– Ampelschaltungen in der Innenstadt,
(„Ich hab das Gefühl, die wurden nach dem Zufallsprinzip programmiert – oder von einem gelangweilten DJ.“)
– Die Idee einer eigenen Fast Lane für Leute, die nur Kaffee holen wollen,
(„Das würde den innerstädtischen Frieden sofort erhöhen.“)
– und dann natürlich:
Ob es jemals ein Navi gibt, das versteht, dass man bei ‚bitte wenden‘ nicht gleich seine Lebensentscheidungen infrage stellen will.
Wir kamen also weit.
In 90 Sekunden.
Ampelzeit ist offenbar Premiumzeit für Utopien.
Dann kam die Frage:
„Fahren Sie morgen wieder hier vorbei?“
Ich: „Kommt drauf an, ob mein Auto sich wieder erholt.“
Er nickte. „Dann sehen wir uns vielleicht an der gleichen Ampel. Nur diesmal grün.“
Und ich fuhr los – mit einem Lächeln, das genau 20 Minuten angehalten hat.
Bis zur nächsten Baustelle.
Ich sag, wie’s ist:
Manchmal braucht’s keinen Kaffee, kein Zitat von Nietzsche und kein Drama.
Nur eine rote Ampel, zwei offene Fenster – und das Gefühl, dass der Tag sich plötzlich irgendwie weniger grau anfühlt.
Ganz ohne Happy End.
Aber mit Happy Moment.



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