top of page

Mein offizieller Offline-Tag


Es gibt Tage, da staune ich über mich selbst.

So richtig.

Heute zum Beispiel.


Ich hatte gestern überall verkündet, mit voller Brust und fast schon dramatischem Ernst:

„Morgen bin ich nicht erreichbar.“

Nicht telefonisch.

Nicht per Nachricht.

Nicht mal zufällig per Rauchzeichen.


Und dann saß ich heute zu Mittag da, schaute auf mein stilles Handy und dachte mir ernsthaft:

„Komisch… niemand hat sich gemeldet. Gar niemand. Nicht mal ein Ping. Was ist denn los mit der Welt?“

Und erst im nächsten Atemzug fiel es mir ein.

Es war ja mein eigener Befehl, die Welt auszuschalten.

Ich habe den Vorhang selbst zugezogen, das Bühnenlicht gedimmt und das Publikum höflich aus dem Saal geschickt…

und wundere mich jetzt, dass niemand applaudiert.

Das ist ungefähr so, wie wenn man den Kühlschrank absperrt, um gesünder zu leben,

und sich dann wundert, dass abends niemand Schokolade serviert.


Der Grund war übrigens ein guter:

Ich habe einen Vortrag geschrieben.

Und eine Präsentation für ein Catering erstellt.

Beides gleichzeitig, was sich anfühlt, als würde man versuchen,

eine Torte zu dekorieren und gleichzeitig das Rezept zu formulieren.

Mit Handschuhen.

Im Wind.


Zwischendurch war ich so konzentriert, dass ich das Gefühl hatte,

ich könnte jetzt wahrscheinlich sogar im Schlaf powerpointen.

Und trotzdem dachte ich immer wieder,

dass es doch schön wäre, wenn jemand kurz „Hallo“ sagt.

Jemand.

Irgendjemand.

Ein Mensch, ein Bot, ein Brieftaube…

aber ja: ich war ja offiziell nicht erreichbar.

Ich war quasi ein emotionaler Offline-Modus mit Ansage.


Das Lustigste daran:

Ich habe mich über meine eigene Ansage ausgetrickst.

Wie eine Katze, die sich selbst erschreckt, wenn sie ihr Spiegelbild sieht.


Aber gut.

Der Vortrag ist fertig.

Die Präsentation glänzt.

Und mein Handy darf ab sofort wieder läuten, plingen, piepsen oder was es eben so macht.

Ich bin wieder online.

Bereit für Menschen.

Bereit für Gespräche.

Und bereit für das nächste Mal,

wenn ich mich wundernd frage, warum niemand anruft…

nachdem ich allen gesagt habe, sie sollen es lieber nicht tun.


Ich sag’s, wie’s ist:

Manchmal bin ich mein eigener 404-Error.

 
 
 

Kommentare

Mit 0 von 5 Sternen bewertet.
Noch keine Ratings

Rating hinzufügen
bottom of page