0,0 Promille und ein wenig Schmäh
- Christoph

- 17. Juni 2025
- 3 Min. Lesezeit
(Oder: Warum ich heute fast Influencer auf der A22 geworden wär)

Montag, 11:30 Uhr. Ich fahr durch Wien. A22.
Die Sonne scheint, der Verkehr rollt, die Playlist sitzt.
Also alles ganz normal – bis auf einmal hinten im Rückspiegel:
Polizei. Und dann leuchtet’s auf ihrem Heck wie ein Neonschild in einer schummrigen Cocktailbar: „Bitte folgen.“
Ich denk mir: Klingt ja fast einladend – wär’s nicht die Exekutive. Also brav: Blinker, nächste Ausfahrt, ab auf den Pannenstreifen.
Zwei steigen aus: Ein Herr der älteren Schule, Grant in der Stimme und auf beiden Schultern noch dekoriert. Und eine junge Polizistin – motiviert, charmant und jetzt schon amüsiert.
Ich lass das Fenster runter.
Er: „Grüß Gott. Sie wissen, warum wir Sie anhalten?“
Ich: „Na ja, steht ja hinten auf Ihrem Auto: ‚Bitte folgen‘. Jetzt sind Sie dran: Wie heißen Sie auf Instagram, Herr Inspektor?“
Sie grinst. Er nicht. (ich glaub der hat den nicht ganz verstanden)
Er: „Führerschein, Zulassung, bitte.“ Ich reich ihm meinen rosa Lappen.
Er: „Ah, noch so ein Klassiker. Das sind wirklich Sie auf dem Foto?“
Ich: „Unverkennbar. Diese strahlenden Augen. Die hat man halt, wenn man glaubt, das Leben ist ein Italienurlaub. Außerdem gültig bis 2033.“
Er: „Apropos... strahlende Augen – haben Sie irgendwelche verbotenen Mittel genommen?“
Ich: „Nur Hoffnung, Herr Inspektor. Und einen Automatenkaffee von der Tankstelle. Aber der war bitter genug, um als Betäubungsmittel durchzugehen.“
Er: „Alkotest, bitte.“ Ich puste rein. Er schaut aufs Gerät.
Er: „0,0.“
Ich: „Na schau. Und das, obwohl ich letzte Nacht mit einem Mon Cherie und meinem Gewissen im Clinch lag. Ich bin halt schwer zu beeindrucken.“
Er: „Drogentest wollen S’ auch noch, oder wie?“
Ich: „Nur wenn’s nicht extra kostet. Ich will nur wissen, was alles möglich ist bei einem Komplettservice à la Polizei Wien.“
Er rollt mit den Augen.
Ich: „Recht und Gnade sollte man immer als gleichwertig empfinden, oder?“
Er: „Sie als Philosoph. Sie meinen ich soll Gnade vor Recht ergehen lassen....
Das wird schwer“
Dann will er’s wissen. „Pannendreieck?“
Ich: „Im Kofferraum. Ganz vorne. Gleich neben meiner Geduld.“
Er: „Erste-Hilfe-Kasten?“
Ich: „Originalverpackt. Noch nie gebraucht. Ist nix besonderes drinnen..
zumindest keine Opiate“
Er: „Reifenprofil?“
Ich: „Hab schon auf Winterreifen umgesteckt. Damit ja nix sein kann – immer übervorsichtig.“
Sie: (lacht) „Das ist wirklich das erste Mal, dass mir einer zu viel Ordnung zur falschen Jahreszeit als Ausrede verkauft.“
Er seufzt. Schaut sie an. Dann mich. Dann seine Uhr. Dann auf sein Leben.
Er: „Was ist das eigentlich für eine silberne Box im Kofferraum?“
Ich: „Das? Meine Kochbox. Falls ein Stopp mal länger dauert…
zum Beispiel zu Mittag, wolln´s was?“
Er: (schüttelt den Kopf) „Wissen S’ was? Ich schreib keinen Strafzettel. Ich spar mir einfach die Diskussion, warum ihr Auto bei der Anfahrprobe nicht abstirbt.“
Ich: „Ein echter Wiener Akt der Gnade.“
Er: „Ein echter Wiener Akt der Erschöpfung.“
Ich nicke dankbar. Die Polizistin zwinkert mir zu:
„Ich schau später, ob’s Sie wirklich auf Instagram gibt.“
Ich: „Dann sollten sie auch gleich am Abend meinen Blog lesen“
Ich steig ein, fahr los. Der Verkehr wieder da, die Sonne noch immer da.
Und ich – ein bisschen entspannter als davor.
Ich sag’s, wie’s ist: Manchmal reicht ein rosa Führerschein, ein grantiger Inspektor, eine charmante Kollegin – und eine gut gepackte Kochbox – um zu merken:
In Wien ist selbst eine Polizeikontrolle eine Szene wert.
PS: Wenn ich es eilig habe, sollte ich einfach meinen Mund halten.
Wenn das nur so einfach wäre ;-)



🤣