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Regen, UNO & norwegische Zufälle.

(Diesmal ohne Birne, aber mit Kaffee – und Solveig)

Freunde, Freunde, Freunde...

Ich wollte einfach nur durch den Park.

Schnell. Trocken. Unauffällig.

Wetterbericht hatte Sonne gesagt – also regnet’s. Die letzten Tage hat´s nur geregnet!


Und zwar nicht so ein bisschen romantischer Niesel, sondern:

„Setz dich lieber gleich in die Donau, dann bist du schneller durch“-Regen.


Ich rette mich unter einen Baum. Tropfende Haare, klatschnasse Jacke, Handy tief unten in der Tasche, als könnte es dort atmen.


Dann plötzlich:

„You again! Christoph, right?“

Ich dreh mich um –

Solveig.

UNO-Solveig. Norwegen. Naschmarkt. Birnen-Expertin mit Sicherheitsfreigabe.


Nur heute:

Ein Mantel, sichtbar über einem hellen Kostüm. Kein Poncho, keine Gummistiefel, kein Schirm – nur eine gewisse skandinavische Unerschütterlichkeit.

Diplomatin im Regen – aber mit Haltung.


„Ich liebe diesen Park. Even when it's a waterfall.“


Sie grinst. Ich grinse zurück.

Ich war nicht bereit. Für Regen – oder für sie.


Sie ist offenbar wieder in Wien.

„Kurzbesuch. Meetings. Und ich hab gedacht – zehn Minuten frische Luft. Bad decision.“


Wir stehen da, wie zwei Regentröpfe mit Lebenslauf.

Ich überlege kurz, ob das ein verstecktes UNO-Treffen ist. Irgendwo im Gebüsch ein Dolmetscher, ein Notizblock, jemand von der Neutralitätsbehörde.


Sie plaudert drauflos.

Über die neue Abteilung bei der UNO – irgendwas mit „resilient urban ecosystems“.

Ich nicke, wie man eben nickt, wenn man keine Ahnung hat, aber die Energie mag.


Dann kommt’s wieder:

Obst.


„Ich hab heute eine Mango dabei“, sagt sie. „Symbolisch. Für Optimismus.“

Ich sag:

„Ich hab einen Müsliriegel, aber der ist komplett durchweicht.“

Sie lacht. So, wie man lacht, wenn man gerade einem schlecht gelaunten Weltklimabericht entkommen ist.

Dann:


„Coffee?“

Ich nicke.

„Unbedingt.“


Wir landen in einem kleinen Lokal ums Eck. Zwei Fenstersitze, zwei dampfende Tassen, tropfnasse Mäntel an der Heizung.

Es riecht nach Espresso und diesem leicht verbrannten Gefühl, das man hat, wenn man von draußen reinkommt und das Leben wieder langsam auftaut.


Wir reden.

Über Gott und die Welt.

UNO, Kommunikation, ihre Arbeit in Krisengebieten – aber auch über Dinge, die nicht gleich eine Resolution brauchen.


Ich erzähle ihr, dass ich mal in Norwegen war. Mit 17.

Zugreise durch Europa. Interrail. Mit einem Freund, der überall seine Gitarre auspacken musste – auch auf Fjorden.

Sie lacht:

„Very Norwegian. Nature first, then music.“

Wir schweifen ab.

Sie fragt nach Wien, ich frage nach Oslo.

Wir entdecken beide: Es ist schön, mal kein Ziel zu haben – außer ein gutes Gespräch.


Irgendwann schaut sie auf die Uhr.


„Evening reception. With name tags and speeches. You know... diplomacy in buffet form.“


Ich sag:

„Klingt... sättigend.“

Sie lacht. Dann steht sie auf.


Sie zieht wieder diesen kleinen Zettel aus der Tasche – UNO, wasserfest diesmal.


„Falls du mir doch mal schreiben willst – in real life.“

Ich nehme ihn. Und sage:

„Wenn ich ihn diesmal nicht verliere.“

„Oder wir treffen uns einfach wieder. Zufällig. So wie heute.“

„Am besten bei Sonne.“

„Oder wenigstens mit Dach.“


Wir lachen, zahlen, ziehen uns wieder an wie zwei Figuren aus einem UNESCO-Katastrophenfilm und treten raus in den Rest des Regens.


Solveig geht nach links.

Ich nach rechts.


Und in meinem Kopf klingt leise dieser eine Satz nach: „Nature first, then music.“


Vielleicht ist das gar kein so schlechter Plan.

Für die Welt. Oder einfach für morgen.

 
 
 

2 Kommentare

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ZipZog
13. Juli 2025
Mit 5 von 5 Sternen bewertet.

Na unbedingt dreimal😉

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Christoph
14. Juli 2025
Antwort an

Zumindest hab ich die Kontaktdaten…😉

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