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Joghurt. Parkbank. Missverständnis.

(Wie aus Erdbeer plötzlich Erklärungsbedarf wird – und alles doch gut ausgeht.)



Freunde, Freunde, Freunde…

Wenn du einfach nur Erdbeerjoghurt essen willst – und plötzlich in einer Szene landest, die man sonst nur aus Serien kennt.


Neulich hab ich sieben Minuten gebraucht, um mich für einen Joghurt zu entscheiden. Erdbeere. Ganz klar. Aber dann standen da drei verschiedene Sorten im Regal. Alle im Glas. Alle mit „Weniger Zucker“. Alle mit irgendwas Natürlichkeit.


Der eine hieß

„Erdbeer-Realness“.

Der andere: „True Fruit Experience“.

Der dritte: „From Earth with Love“.


Freunde…Ich wollt einfach nur Joghurt. Kein Rebranding der Fruchtwahrheit. Keine Lifestyle-Begleitung für meinen Verdauungstrakt. Ich hab dann den genommen, der einfach „Erdbeerjoghurt“ hieß. Weil Authentizität sich manchmal nicht inszenieren lässt.


Zwei Stunden später sitz ich im Park. Kaffee in der Hand, Joghurt gegessen, Gedanken im Off-Modus. Ich bin nicht traurig, nicht euphorisch, einfach da. Sitz auf einer Parkbank, schau auf eine Sandkiste.


Da drin: zwei Kinder, laut, fröhlich, voller Energie. Zwei Mütter sitzen neben mir, unterhalten sich über das Bildungssystem, das – so ihr O-Ton – „eigentlich schon im Mutterleib beginnt“.


Plötzlich fragt mich eine ganz freundlich, aber mit einem leicht prüfenden Blick:

„Und... was machen Sie so am Nachmittag... im Park? Allein? So... direkt neben der Sandkiste?“

Ich antworte:„Ich verdaue Erdbeerjoghurt und denk über mein Leben nach.“

Kurzes Lachen.

Kurzes Schweigen.

Ein kurzer Moment von „Was denkt ihr grad?“


Dann gibt’s Trouble in der Sandkiste. Nichts "wirklich" Dramatisches – ein Schaufel-Disput mit Baggerbeteiligung. Keiner fühlt sich zuständig, obwohl die Situation dann doch zu eskalieren droht. Der grüne Bagger schwebt schon bedrohlich nahe über dem Kopf der vermutlich erst 3-Jährigen. Und als dann noch die fast schon in der Pubertät wirkenden Zwillinge mit ihren überdimensionalen Holzschwertern zur Attacke blasen, ein Kopf schon tief in einem Sandloch steckt, denke ich...denke ich eigentlich gar nichts mehr...


Ich steh auf, geh hin, (gefühlt 1.000 Blicke auf mich gerichtet) klär’s mit diplomatischem Geschick und einer fairen Tauschlogik („dein Bagger für die große Muschel“),komm zurück, setz mich wieder hin.


Die zwei Mütter? Sofort wieder im Gespräch. Diesmal über das absurde Aufnahmeverfahren im Kindergarten und warum Kinder vermutlich heute schon vor dem 5. Lebensjahr Persönlichkeitsprotokolle brauchen.


Nach ein paar Minuten steh ich wieder auf, lächle die beiden Mütter an und sag beim Weggehen:„Ich gehöre zu den Guten.“


Sie lachen. Ich nicke höflich und mach mich auf den Weg.

„Ich glaub, der ist einfach nur nett“, sagt die eine zur anderen.

Mein Handy läutet. Ich geh ran und sag nur:„Bin ja gleich da.“


Ich sag’s, wie’s ist:

Manchmal reicht ein Löffel Joghurt, eine Parkbank und ein kleiner Sandkisten-Einsatz, damit man merkt: Das Leben muss nicht immer eine Kampagne sein. Nicht jede Begegnung braucht Kontext. Und nicht jedes Missverständnis endet mit einem Shitstorm.

Was wir brauchen, sind Menschen, die nicht gleich canceln, sondern erst mal zuhören – selbst dann, wenn man Erdbeerjoghurt isst und verdächtig viel Zeit neben einer Sandkiste verbringt.

 
 
 

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