Das musste wieder mal sein.
- Christoph

- 20. Aug. 2025
- 2 Min. Lesezeit

Ich sag’s ehrlich: ich bin nicht der Typ für öffentliche Verkehrsmittel. Aber heute war’s praktischer, schneller Termin in der Stadt, Auto hätte nur Nerven gekostet. Also runter in die U-Bahn. Schon beim Betreten dieses Betonbauchgefühls frage ich mich: warum tu ich mir das an?
Die Luft ist dick, irgendwie ein Mix aus Metall, Schweiß und einem undefinierbaren Geruch, den man nie gewöhnt. Ich setz mich auf einen der wenigen freien Plätze, ganz am Rand. Kaum rollt der Zug an, kracht es schon los. Ein junges Mädchen, kaum zwanzig, quatscht so laut ins Handy, dass die halbe Garnitur unfreiwillig Teil ihres Privatlebens wird. Es geht – natürlich – um einen gewissen Pascal. „Der meldet sich einfach nicht mehr, checkst du? Ich schwör, der ist so ein Loser!“ Ich verdreh innerlich die Augen. Genau deswegen hasse ich das: ich will das Leben anderer nicht im Detail wissen, schon gar nicht ungefragt.
Ein Jugendlicher daneben grinst und meint zu mir: „Jetzt wissen Sie auch, was der Pascal so treibt, gell?“Ich: „Leider ja. Hätt ich aber gar nicht gebraucht.“
Zwei Reihen weiter eine Touristin, die mit ihrem Sackerl voller Mitbringsel kämpft, weil es ständig am Boden landet. Irgendwer steigt drauf, sie hebt’s wieder hoch, es rutscht wieder runter. Neben mir ein Mann, der so breitbeinig sitzt, dass ich mich auf meinem Platz wie auf die Hälfte reduziert fühle. Klassisches Sitzplatzdrama in der U-Bahn.
Zwei Stationen später: dieselbe junge Frau, immer noch am Handy, diesmal mit tränenerstickter Stimme. "Pascal, oh Pascal!" Ich schwöre, ich hab fast schon Mitleid – fast.
Und dann, als wär das Ganze nicht schon Theater genug, kommt eine Schar Kontrolleure herein. Zack, die Stimmung kippt. Plötzlich ist’s mucksmäuschenstill. Leute kramen nervös in Taschen, manche starren verlegen aus dem Fenster.
Und ich? Ich zieh mit einem gewissen Stolz meinen bravourösen Fahrschein hervor – am Automaten gekauft, mit meinen letzten Münzen, jawohl! – und sogar ordnungsgemäß entwertet, oder wie man das nennt. Der Kontrolleur schaut, nickt kurz: „Alles klar, danke.“
Während der andere Kontrolleur im im hinteren Teil des Wagons jemanden erklärt, so das es jeder hört: "Nein ein normaler Fahrschein gilt nicht im ganzen öffentlichen Nerz den ganzen Tag."
In dem Moment fühl ich mich wie der König der Garnitur. Kein Held von Weltformat, aber einer, der inmitten von Pascal-Drama, Sackerl-Chaos und Geruchsmischungen triumphiert.
Ich sag, wie’s ist:
Manchmal reicht ein entwerteter Fahrschein und alles passt.



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