Wie fühlt sich eigentlich Sonntag an?
- Christoph

- 20. Juli 2025
- 2 Min. Lesezeit
(Oder: Warum ich gelernt habe, ihn nicht mehr seltsam zu finden.)

Früher mochte ich Sonntage nicht besonders.
Warum, kann ich nicht mal genau sagen. Vielleicht, weil man dachte, an Sonntagen muss alles irgendwie anders sein. Ruhiger. Entspannter. Familiärer.
Und dieses „Muss“ war mir immer schon suspekt.
Vielleicht auch, weil ich nie gut darin war, mir sagen zu lassen, wie sich etwas anfühlen soll.
Heute?
Heute sehe ich’s entspannter.
Sonntag fühlt sich für mich scho ein wenig nach Seele an. Nach draußen schauen. Nach einmal durchlüften – vor allem den Kopf.
Nach keinen großen Plänen, aber trotzdem irgendwas machen. Nicht weil man muss. Sondern weil’s gut tut.
Sonntag ist für mich kein Tag, an dem die Welt stillstehen muss.
Es ist ein Tag, der einfach ein bisschen langsamer läuft.
Ein bisschen leiser klingt.
Ein bisschen mehr nach Innen geht.
Manchmal nutze ich ihn, um Liegengebliebenes zu erledigen.
Manchmal, um einfach selbst liegen zu bleiben.
Manchmal arbeite ich. Manchmal nicht.
Manchmal schreibe ich Menschen, die es längst verdient hätten.
Öfter denk ich an Menschen
Oder ich koche etwas, das man unter der Woche schon wegen der Einkaufsliste wieder verworfen hätte.
Aber immer geht’s am Sonntag auch ein bisschen darum, sich selbst wieder zu treffen.
Sich zu fragen:
Wo stehe ich?
Wo will ich hin?
Und was davon kann eigentlich warten bis Montag?
(Meistens erstaunlich viel.)
Vielleicht habe ich den Sonntag irgendwann nicht mehr seltsam gefunden, weil ich aufgehört habe, Erwartungen daran zu haben.
Weil ich gemerkt habe: Sonntag ist nicht das Problem.
Es ist das Bild, das man davon hat.
Wenn ich’s mit Marketing vergleiche:
Sonntag ist wie eine gute Marke.
Nicht immer laut. Aber immer klar in der Botschaft.
Hier geht’s nicht darum, dir etwas zu verkaufen.
Hier geht’s darum, dass du dich erinnerst, wer du bist – und was dir gut tut.
(Okay. Manchmal darf eine Marke auch ein bisschen lauter sein. Aber eben nur dann, wenn’s Sinn macht.)
Ob du am Sonntag einen Berg besteigst, ein altes Fotoalbum durchblätterst oder stundenlang in der Küche verbringst – egal.
Wichtig ist nur, dass du es so machst, wie es für dich passt.
Und wenn’s drauf ankommt?
Wenn etwas getan werden muss?
Dann pack ich’s halt an. Auch am Sonntag.
Ich sag, wie’s ist:
Der Sonntag ist für mich mittlerweile kein Widerspruch mehr.
Zwischen Ruhe und Bewegung, zwischen Denken und Tun, zwischen Anhalten und Weitergehen.
Er darf beides sein.
So wie ich.
Würde ich heute dem Sonntag von mir einen Namen geben müssen.
Dann wäre der Name wie auf einem Kultursender. "Gespräche im Schlosspark"
Und wenn dann am Abend noch ein guter Film läuft – weiß ich: alles richtig gemacht.
Ach ja:
Ich hoffe, ihr hattet einen von diesen guten Sonntagen.
Wo auch immer ihr gerade seid.



Kommentare