Sonntagabend – der Abspann der Woche
- Christoph

- 14. Sept. 2025
- 2 Min. Lesezeit

Ein Sonntagabend hat etwas Zauberhaftes, fast Unsichtbares.
Es ist, als würde die ganze Welt langsam auf „Stumm“ gestellt.
Die Geräusche von draußen werden leiser, selbst der Wind scheint vorsichtiger zu wehen, als wolle er niemanden stören.
Kein Baustellenlärm, keine Autohupen, kein hektisches Getrappel – nur diese sanfte, wattige Ruhe, die sich über alles legt wie eine frisch gefallene Schneedecke.
Es ist die Stunde, in der die Natur selbst tief durchatmet.
Vielleicht fliegt irgendwo noch ein Vogel, spät dran wie immer, auf dem Weg zu seinem Schlafplatz.
Vielleicht rollt in der Ferne noch ein einsamer Zug vorbei, sein Geräusch ein letztes Zeichen dafür, dass die Welt da draußen noch existiert – aber nur ganz weit weg.
Alles fühlt sich an, als hätte jemand die Pausetaste gedrückt.
Drinnen beginnt der eigentliche Sonntagabend.
Man sitzt auf der Couch, umgeben von Kissen, eingehüllt in Decken, und sagt Sätze wie:
„Heute geh ich aber früh schlafen.“
Natürlich wird daraus nichts.
Stattdessen zappt man sich durch Programme und Streaming-Dienste, bis man bei einem Film landet, den man schon mindestens fünfmal gesehen hat.
Und man bleibt trotzdem dabei.
Nicht, weil er neu oder spannend ist – sondern weil er sich anfühlt wie eine alte, gemütliche Decke.
Man kennt jede Wendung, jeden Satz, jedes Ende.
Gerade deshalb ist er perfekt.
Denn Sonntagabende sind nicht dafür da, überrascht zu werden.
Sie sind dafür da, sich zu erinnern, dass die Welt morgen wieder ernst genug wird.
Vielleicht schläft man irgendwann auf der Couch ein – noch bevor der Abspann läuft.
Mit der Fernbedienung in der Hand, leicht schiefem Kopf und diesem warmen Gefühl, dass der Montag noch weit genug entfernt ist, um ihn zu ignorieren.
Wenn man dann irgendwann aufwacht, tappt man schlaftrunken ins Bett, als wäre der Weg dorthin eine Expedition, und denkt sich:
„Nächsten Sonntag geh ich wirklich früh schlafen.“
Ein Versprechen, das genauso zuverlässig gebrochen wird wie die Vorsätze zum Jahreswechsel.
Und während draußen die Nacht tief und still wird, zieht drinnen langsam der Schlaf ein, leise und selbstverständlich.
Der Sonntagabend verabschiedet sich sanft, ohne Worte, nur mit einem Nicken, als wollte er sagen:
„Gut gemacht. Du bist bis hierher gekommen.“
Wenn du diese Zeilen liest, vielleicht schon halb unter deiner Decke, mit dem Handy über deinem Gesicht, während du spürst, wie die Augen langsam schwer werden – dann bist du Teil genau dieses Moments.
Vielleicht hörst du im Hintergrund noch den Fernseher leise murmeln oder den Kühlschrank summen, während draußen die Nacht ruhig und schwarz wie Tinte ist.
Ein letzter kurzer Blick auf den Bildschirm, bevor die Müdigkeit gewinnt.
Und vielleicht denkst du dir: „Nur noch ein Absatz.“
Doch genau dann merkst du, dass dieser Text nicht nur über Sonntagabende spricht – sondern über deinen eigenen.
Ich sag, wie’s ist:
Zeit, das Handy sinken zu lassen und einfach loszulassen. 🌙



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