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Wenn Speicherkarten voll sind…


Es gibt Momente, da erkennt man erst beim Einschalten der Kamera, dass die Speicherkarte komplett dicht ist – also wirklich: Kompletter Stillstand. Kein einziges Bild mehr möglich. Und naja… wenn man gleichzeitig in RAW und JPG fotografiert, kann selbst eine 256-GB-Karte schneller voll sein, als man „Blende 2.8“ sagen kann.


Also schaut man – ganz brav, ganz pflichtbewusst – einmal durch, bevor man fröhlich auf „Formatieren“ drückt. Und was begegnet einem da?


Ein Teil ist blanker Unsinn. Bilder, die keine Seele haben. Weg damit.

Dann kommen die Aufnahmen, bei denen man nicht einmal sicher weiß, ob man sie schon irgendwo archiviert hat – Festplatte? Zweite Festplatte? Externe Nummer drei? Wolke? Keine Ahnung.

Und dann… dann kommen die Bilder mit der Keule.


Die, von denen man gar nicht wusste, dass man sie überhaupt fotografiert hat. Die, die man nie vermutet hätte. Und plötzlich – zack – stehen die Erinnerungen im Raum, als wäre der Schnappschuss nicht Jahre alt, sondern fünf Minuten her. Manche lassen einen lächeln, manche lassen einen nur denken: „Weg damit.“ Und wieder andere… ja… die werfen dich emotional quer durchs Zimmer.


So heute passiert. Natürlich.

Ich wollte eigentlich einen ganz anderen Text schreiben. Aber wenn die Speicherkarte ruft, hat die Priorität. Und Fotos sind Erinnerungen – ja. Aber sie drehen die Zeit nicht zurück. Sie sind eher kleine Zeittüren, die dich plötzlich in ein Kapitel schubsen, für das du nicht mal ein Lesezeichen parat hast.


Ich hab heute also alles gelöscht. Alles.

Außer eben denen.


Und genau die haben mich in der Sekunde doch etwas, sagen wir mal emotional aufhorchen lassen. Nicht wegen der Motive selbst – nein. Sondern eher wegen der Menschen darauf. Wegen ihrer Körperhaltung, ihrem Gesichtsausdruck, diesem unplanbaren Moment, in dem der Shutter der Alpha 7 IV in Millisekunden auf und zu gegangen ist und etwas eingefroren hat, das man selbst längst vergessen hatte. Ein Blick, ein Lachen, eine Handbewegung – und plötzlich geht’s im Herzen und im Gehirn an wie eine Lichterkette, die jemand nach Jahren wieder ans Stromnetz gehängt hat.


Ein Lächeln am Display kann dich ansehen, als wärst du die Lösung aller menschlichen Bedürfnisse. Vielleicht öffne ich diese Bilder ein anderes Mal wieder – und vielleicht lösen sie dann nur ein sanftes Grinsen aus und keinen emotionalen Blitzschlag wie heute. Ich lass sie jedenfalls drauf. Sicher ist sicher.


Ich sag wie’s ist:

Manchmal braucht es nur einen Speicherchip, um aufzuräumen – und ausgerechnet die kleinsten Bilder machen die größte Unordnung.

 
 
 

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