Schulung im Stanitzel-Schlecken
- Christoph

- 13. Aug. 2025
- 2 Min. Lesezeit

Gestern die ältere Dame and der Tankstelle. Heute bekam ICH mal Hilfe.
Danke der jungen Dame!
Ein Nachmittag mit wenig Plänen. Nur dieses leise Gefühl, dass etwas Kaltes fehlt.
Vor dem Eisgeschäft stehe ich wie ein Kind vorm Christbaum.
Normalerweise greife ich zum Becher. Praktisch, sauber, verlässlich – das Schweizer Taschenmesser unter den Eisbehältnissen.
Heute nicht.
Heute Stanitzel.
Knusprig, leicht süß, gefährlich nah an der Katastrophe.
Die Sortenwahl: Pistazie – ein Hauch Sizilien. Stracciatella – italienische Klassik mit Jazznoten. Limone – pure Urlaubserinnerung in Gelb.
Drei Welten, die sich im Hörnchen drängen, als müssten sie im Flugzeug denselben Sitzplatz teilen.Wilde Mischung.
Auf einer Parkbank suche ich Schutz vor der Sonne, doch sie erwischt mich trotzdem, warm im Rücken. Das Eis tropft sofort, ungeduldig wie ein Kind, das nicht warten will.
Neben mir setzt sich ein Mädchen, vielleicht Anfang zwanzig. Ich bemerke sie erst, als sie sagt:
„Duuu… soll ich dir sagen, wie man Eis richtig isst?“
Ihr Lächeln – wie ein Sonnenaufgang im Herbst: sanft, aber klar.
Man erkennt sofort, dass sie Trisomie 21 hat. Nicht laut, nicht als Etikett – eher wie ein feiner Akzent, der einfach dazugehört.
„Nicht von oben“, erklärt sie ernst, dann lacht sie. „Du musst das immer im Kreis machen. Sonst läuft’ das da unten raus – und dann hast du einen Fleck auf der Hose. Gar nicht gut“
Ich probiere es.
Kopfschütteln.
„Du bist patschert“, sagt sie
Wieder ein Versuch, wieder falsch. Wir lachen.
Eine improvisierte Meisterklasse – sie Weltmeisterin, ich ewiger Letzter.
Und keiner will, dass das Spiel endet.
Irgendwann prüft sie ihre „Uhr“ – Ein Armband voller Glitzersteine, funkelnd wie eine kleine Lichterkette.
„Ich muss jetzt gehen, ich habe einen Freund weißt du“, sagt sie, steht auf, winkt und ruft:
„Mein Freund kann das besser“
So schnell wie sie da war, so schnell verschwindet sie zwischen den Leuten.
Ich bleibe zurück mit einem Stanitzel, halb leer, halb Kunstprojekt, und einem Lächeln, das einfach bleibt.
Zum zweiten mal in Folge hat kein großes Ereignis den Tag verändert, sondern nur ein paar Minuten auf einer Parkbank, ein tropfendes Stanitzel – und jemand, der zeigt, dass selbst Eisessen seine eigene Kunstform ist.
Ich sag, wie’s ist:
Das Leben schmeckt besser, wenn man zwischendurch vergisst, alles richtig machen zu wollen – und einfach schleckt.



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