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Tanz mich raus aus meinem Kopf!

(Oder: Wie mir eine Fremde mitten in Wien einen kreativen Reset schenkte.)



Schon einige Tage her..fällt mir gerade ein...

Ich war noch leicht „drüber“, wie man bei uns sagt. Nicht schlecht gelaunt, aber in so einem Zwischenzustand: der Kopf voll, der Termin war zäh, das Licht zu grell, die Gedanken zu laut. Irgendwo Richtung Museumsquartier, zwischen Touristen, Tauben und dem nächsten To-do.


Und dann:

Musik. Keine Charts, kein Schrammel, sondern etwas... Anderes. Orientalisch vielleicht?

Wie warmer Sand unter nackten Füßen. Es passte nicht hierher – oder gerade doch?


Ich gehe weiter. Noch ganz im Autopilot. Und plötzlich:

„Möchten Sie nicht mitmachen?“

Ich bleibe stehen. Schaue auf. Und da steht sie – eine junge Frau, leuchtende Augen, ein Lächeln, als würde sie einem Weltfrieden in Tupperdosen austeilen.

„Worum geht’s denn?“, frage ich, leicht irritiert, leicht neugierig.

„Um Impulse“, sagt sie.

„Um was, bitte?“

„Impulstanz. Das ist ein Festival. Wir bringen Tanz in die Stadt. Nicht choreografiert. Kein Programm. Einfach bewegen. Spüren. Mitmachen, wenn man Lust hat. Oder einfach mal was anderes zulassen.“

Sie sagt das, als wäre das ganz normal. Ich nicke langsam. Mein Gehirn sucht noch die Headline zu diesem Gespräch.

„Sie meinen: Ich soll jetzt... tanzen? Einfach so?“

„Ja. Genau. Wie Sie wollen. Vielleicht mit jemandem. Vielleicht für sich. Vielleicht nur kurz. Alles ist erlaubt, nichts ist falsch.“


Ich muss lachen. „Sie wissen schon, dass ich gerade aus einem Vier-Stunden-Meeting komme und innerlich noch nach salbungsvollen Worten ringe?“

„Dann sind Sie ja der perfekte Kandidat“, sagt sie und lächelt. „Körper schlägt Kopf.“


Ich erinnere mich an früher. An die berühmte Schauspielschule, Aufnahmeprüfung.

Man sagte mir: „Vielleicht müssen Sie eine Amöbe spielen – 20 Minuten lang.“

Ich sagte damals: „Vielleicht nicht.“

Und ging.


Heute, mitten in Wien, will mich wieder jemand aus der Komfortzone holen. Nicht so dramatisch, nicht so verpflichtend – aber irgendwie ähnlich. Ich zögere. Und ich lehne ab. Höflich. Mit einem ehrlichen Lächeln.

„Heute nicht“, sage ich. „Aber danke für den Impuls.“


Sie nickt. „Manchmal reicht ja schon das Stehenbleiben.“


Und da hat sie recht.

Denn für einen Moment war ich nicht mehr unterwegs, sondern ganz da. Nicht im Plan. Sondern im Moment.


Ich sag wie’s ist:

Manchmal ist Marketing nur der Versuch, das richtige Publikum zur richtigen Zeit mit der richtigen Botschaft zu erwischen.

Und manchmal ist es genau andersrum – da erwischt einen einfach das Leben. Ungeplant. Unperfekt. Unwiderstehlich.


 
 
 

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