top of page

This life is so complicated – oder doch nicht?



Vorab: ganz ehrlich ich frag mich schön langsam wirklich warum ich immer so solche Situationen komme???? Na gut...


Heute früh musste ich in den Supermarkt.

Nicht, weil ich Lust auf ein kleines Abenteuer zwischen Kühlregal und Kassa hatte – nein. Ich brauchte einfach irgendetwas, das ich auch mit meinen Halsschmerzen runterbekomme. Also rein ins Auto, Radio aufgedreht, und was kommt?

„Through the Eyes of a Child“ von Reamonn.


Ich mag dieses Lied.

Besonders diese Textzeile: „This life is so complicated until we see it through the eyes of a child.“

Ja, schön. Mag manchmal stimmen. Aber – und das ist kein Angriff, lieber Rea Garvey – eben leider nicht immer.


Mit diesem Gedanken im Kopf parke ich, steige aus, und betrete den Supermarkt.

Und da stehe ich, noch nicht mal ganz in Gang 2 angekommen, als mich ein Bub ansieht – so elf, vielleicht zwölf Jahre alt. Jacke mit Kapuze, Schulrucksack am Rücken, vermutlich auf dem Weg zur Schule. Und ohne Begrüßung, ohne Bitte, ohne alles, sagt er nur:

„Gibst du mir Geld?“

Kein „Entschuldigung“, kein „Könnten Sie vielleicht…“.

Nur dieses eine, knallharte: „Gibst du mir Geld?“


Das war so überraschend, dass ich wie aus der Pistole geschossen „Nein“ sagte und einfach weiterging. Reflex.

Aber natürlich lässt mich das nicht los. Ich bin ja ich – also Christoph.

Also drehe ich um, suche den Buben. Finde ihn schließlich ein paar Gänge weiter.


Ich gehe zu ihm hin und frage:

„Wozu brauchst du denn Geld?“

Er schaut mich an und sagt völlig sachlich:

„Für das Buffet in der Schule.“

Und sofort beginnt mein Kopf zu rattern.

Gedanke eins: Oh Gott, der wird erpresst! Muss er jetzt jeden Morgen Schutzgeld in der Schule abliefern? Und versucht es hier zu erbetteln. Ja das gibt es!


Gedanke zwei: Oder ist es wie mit der Kleidung – ohne Marken nichts wert? Danke, Marketing. Wirklich. Heute kann es ja schon ein Drama sein, wenn ein Kind einfach nur ein belegtes Brot von zuhause mithat, oder die falsche oder keine Marke am Pullover drauf ist.


Ich schäme mich in dem Moment fast ein bisschen für meinen eigenen Beruf.


Also schlage ich vor:

„Schau, ich geb dir Geld, und du kaufst dir hier im Supermarkt etwas. Da bekommst du mehr und kannst frei wählen.“


Dann denke ich mir: Oder noch besser, ich kaufe uns beiden was, und wir essen es hier. Dann kann ihm das niemand wegnehmen. Mein Kopf macht in der Früh schon wieder ein Brainstorming, während ich eigentlich nur Tee und Zwieback kaufen wollte.


Ich frage weiter:

„Mama oder Papa – kein Geld oder keine Zeit, dir was mitzugeben?“

Seine Antwort:

„Ich wohne in einer WG.“

Meine inneren Fragezeichen werden immer größer.

Und ich denke mir: Komm, Christoph, zwei Euro kannst du ihm geben. Vielleicht steckt da wirklich irgendein Druck dahinter, den er nicht aussprechen will.


Also drücke ich ihm zwei Euro in die Hand und sage:

„Dann aber ab in die Schule, okay?“


Er schaut nicht sonderlich erfreut, dreht sich wortlos um und geht.

Ich gehe weiter in den nächsten Gang.


Zwei Minuten später – plötzlich wieder er.

Steht vor mir. Hält mir die Hand hin. Sagt kein Wort.

Drückt mir die zwei Euro so fest zurück in die Hand, dass mir klar wird:

Das ist eine Antwort. Lauter, als Worte es sein könnten. Warum auch immer?


Dann dreht er sich um, läuft zum Ausgang und verschwindet.

Ich bleibe da stehen, ratlos, zwischen Tomaten und Toastbrot.


Und während ich wieder ins Auto steige, spielt der Song von vorhin noch immer in meinem Kopf.

„This life is so complicated until we see it through the eyes of a child.“

Heute würde ich eher sagen: „This life is complicated – Punkt.“


Was ich nur allen mitgeben will, die wir in unserer kleinen Bubble leben:

Vergessen wir nicht die Frau vom Reisebüro anzurufen – nicht, dass sie vergisst, die Flugtickets für die Herbstferien zu buchen. Die Kinder brauchen schließlich auch mal eine Auszeit. Privatschulen können wirklich anstrengend sein.


Und nur, damit das klar ist:

Ich möchte hier wirklich keine Grundsatzdebatte lostreten.

Das kann man gerne am Sofa am Samstagabend diskutieren, zwischen der dritten Flasche Lieblingswein und dem Klingeln des Lieferdienstes.


Hier geht es nicht um große Weltpolitik.

Hier geht es um einen elfjährigen Buben, der nach irgendetwas schreit. Punkt. Basta.

Alles andere ist nur Rauschen im Hintergrund.


Und falls jemand jetzt denkt, das sei zu sarkastisch, zu einseitig, vielleicht sogar unfair oder was ich mir als Christoph hier anmaße - dann kann ich es nur sagen wie´s ist:

„Wir haben nichts verstanden und es ist mein Blog und auch nur meine Gedanken😉“

 
 
 

2 Kommentare

Mit 0 von 5 Sternen bewertet.
Noch keine Ratings

Rating hinzufügen
Laura
26. Sept. 2025
Mit 5 von 5 Sternen bewertet.

Das ist ja irgendwie verrückt..warum der wohl wieder zurückgekommen ist??? Komisch!

Gefällt mir
Christoph
27. Sept. 2025
Antwort an

Hallo Laura! Ich kann es ja auch nicht sagen ich habe keine Ahnung was dahinter steckt oder gesteckt ist… ich hoffe nur dass es dem Bub halbwegs gut geht… in Wirklichkeit geht mich das alles nicht an… aber ich bin Christoph😉

Gefällt mir
bottom of page