Unter dem Rock und auf allen Vieren
- Christoph

- 11. Aug. 2025
- 2 Min. Lesezeit
(Eine Brille, ein Rock und eine Verkäuferin, die zu viel denkt)

Heute habe ich offiziell gelernt, dass man im Sommer nichts auf den Boden fallen lassen sollte. Vor allem keine Brille.
Ich war also in diesem Laden. Harmlos. Friedlich.
Nur ich, ein paar Regale, eine überschaubare Menge an Kundschaft – und meine Brille, die sich mal wieder entschied, Schwerkraft zu testen.
Ich beuge mich runter, um sie aufzuheben – und merke, wie neben mir eine Dame mit einem ziemlich kurzen Rock steht.
Kurz im Sinne von: Wenn Röcke eine Geschwindigkeit hätten, wäre das hier ein Ferrari.
In dem Moment taucht wie aus dem Nichts eine Verkäuferin auf, tippt mir auf die Schulter und sagt mit einem Blick, der vermutlich auch Bankräuber einschüchtern würde:
„Ernsthaft? Das machen Sie, um einer Frau unter den Rock zu schauen?“
Ich starre sie an. (nebenbei auf allen Vieren von auch von unten😂)
Kurze Pause.
Dann – weil ich nun mal so bin – sag ich: „Na klar.“
So, wie man das halt sagt, wenn man gerade in eine völlig absurde Situation gestolpert ist.
Aber ich leg sofort nach:
„Ich lass doch nicht meine Brille fallen, um jemanden unter den Rock zu schauen. Wissen Sie, wozu braucht man eine Brille? Zum SEHEN.
Und wenn ich meine Brille nicht aufhabe, ist alles da unten sowieso nur ein verschwommener Pastellhaufen. Das macht ja keinen Sinn.“
Die Dame mit dem kurzen Rock schaut mich an, leicht amüsiert.
„Naja… ich hätte jetzt erwartet, dass Sie wenigstens was Nettes über meine Beine sagen.“
Ich: „Aber… um Beine zu sehen, muss man doch nicht unter den Rock schauen. Die sieht man ja so auch. Das wäre doch so, als würde man ein Buch aufschlagen, nur um den Klappentext zu lesen – völlig ineffizient.“
Sie lacht.
Und dann fragt sie plötzlich:
„Fällt Ihnen Ihre Brille im Sommer eigentlich öfter runter als im Winter?“
Ich: „Kommt drauf an. Im Winter bleibt sie auf der Nase, weil’s draußen glatt ist und ich mich schon beim Gehen aufs Überleben konzentriere. Im Sommer… naja, sagen wir mal: Sonnenlicht macht mich übermütig.“
Die Verkäuferin steht immer noch neben uns, wirkt inzwischen aber so, als würde sie innerlich ihre Berufswahl hinterfragen.
Ich nutze die Gelegenheit, um das Ganze ins Absurde zu ziehen:
„Vielleicht gibt’s ja irgendwo eine geheime Liga von Leuten, die absichtlich ihre Brillen fallen lassen – so eine Art James-Bond-Geheimdienst, nur ohne Martini.“
Die Dame mit dem Rock lacht jetzt so, dass sie sich am Regal festhalten muss.
„Also…“, sagt sie, „wenn das hier ein Bewerbungsgespräch für diesen Club war, dann haben Sie bestanden.“
Und so stehe ich da, mit meiner Brille wieder auf der Nase, mitten in einem Laden, in dem ich ursprünglich nur irgendwas völlig Banales kaufen wollte – und stattdessen fast in die Boulevardpresse gekommen wäre.
Ich sag’s, wie’s ist:
Manchmal fallen Dinge runter, nur damit man eine Geschichte mehr hat.
Und meine Brille ist da ein verdammt zuverlässiger Co-Autor.



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