Peinlich? Vielleicht. Christoph? Fix.
- Christoph

- 19. Aug. 2025
- 2 Min. Lesezeit

Es gibt so Tage – oder vielleicht ist das bei mir einfach immer so – da stolpere ich in Situationen hinein, bei denen ich mir später denke: Christoph, hättest du es nicht einfach lassen können? Aber offenbar ist das mein inneres Programm: ich stolpere nicht nur, ich bleibe auch noch stehen und kommentiere.
Heute also wieder so ein Tag. Ich lande in diesem Flagshipstore eines Supermarkts. So einer, wo selbst die Tomaten aussehen, als hätten sie vorher ein Fotoshooting bei „Vogue Garden“ hinter sich. Regale wie geleckt, Obst wie poliert, und das Personal in dieser Mischung aus perfekt gebügelt und fast schon akademisch wissend. Kurz gesagt: hier kostet gefühlt alles ein bisschen mehr – vielleicht für die Inszenierung, vielleicht für die gute Laune, die man angeblich gratis dazu bekommt.
Mein Auftrag an mich selbst: nur schnell ein Getränk. Rein, raus, fertig. Ich gehe also zur Kassa, stelle mich hin, ziehe noch den höflichen Christoph aus der Tasche und sage: „Schönen guten Tag.“
Darauf sie, ohne Blickkontakt, ohne Punkt und Komma: „KUNDENKARTE????“
Ich: „Nein.“
Und das Nein meine ich nicht mal in Bezug auf die Karte. Ich meine das Nein für den ganzen Umgangston. Aber das versteht sie nicht. Also noch ein Versuch von mir: „Schönen guten Tag.“ Ich setze sogar einen drauf: „Wie ist das werte Befinden?“
Sie schaut mich an, als hätte ich gerade eine Steuerprüfung angekündigt, und greift schon nach dieser kleinen Glocke neben der Kassa. Doch bevor sie klingeln kann – zack – kommt die Filialleiterin ohnehin um die Ecke. Timing wie in einer Komödie.
Hinter mir die Stimmen aus dem Off:
Ein Mann murmelt: „Das können die da nicht.“
Eine Frau ruft: „Geht das nicht schneller?“
Und ein Kind fragt: „Mama, warum dauert das so lange?“
Ich steh da, als ob ich gleich zur Befragung vorgeladen werde. Die Filialleiterin schaut, das Namensschild glänzt, und sie fragt: „Was ist hier das Problem?“
Die Kassiererin deutet auf mich: „Der Herr... er spricht so komisch.“
In dem Moment hab ich kurz überlegt, ob ich mich entschuldigen soll, weil ich noch Höflichkeitsfloskeln benutze. Aber nein, ich bleibe bei mir. Ich lächle die Chefin an und sage: „Es ging nur um einen Gruß. Ich habe Guten Tag gesagt, alles ok vergessen Sie´s."
Die Chefin runzelt die Stirn, schaut zur Mitarbeiterin, schaut zurück zu mir. Dann sagt sie trocken: "Na dann… ist ja alles ok. Ab die wilde Fahrt.“
Und das war’s. Ich hab mein Getränk, die Schlange rollt weiter, und irgendwo zwischen Regalen und Reklamationsklingel habe ich mir wieder einmal bewiesen: ich kann es einfach nicht lassen.
Ich sag, wie’s ist:
Für manche bin ich halt peinlich. Für andere "nur" der Christoph.



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