Vermutlich schwappt nur das raus - was schon drinnen ist...
- Christoph

- 19. Sept. 2025
- 2 Min. Lesezeit

Ich saß unlängst da, ganz unschuldig, mit meinem Kaffee in der Hand.
Gut, „unschuldig“ ist vielleicht übertrieben – ich hatte ihn in einem dieser viel zu dünnen Pappbecher, die eigentlich schon beim Anblick eines Gehsteiges anfangen zu zittern.
Da erzählt mir jemand eine Geschichte - und läßt mich mehr oder weniger damit alleine.
Ich könnte jetzt noch schreiben wer das war, wäre typisch für mich, aber heute eben nicht.
Eigentlich kein Gespräch, mehr so ein Gedanken-Überfall.
Und seitdem denke nach, insbesondere jetzt wo ich hier sitze und mich ganz kurz gefragt habe, worüber ich schreiben möchte.
Die Geschichte geht so:
Du gehst mit einem Becher Kaffee durch die Stadt.
Es ist dein Kaffee, du hast ihn dir verdient – er duftet, er wärmt, er ist das kleine Stück Luxus zwischen Meeting, To-do-Liste und „Warum schon wieder alles crazy?“.
Plötzlich stößt dich jemand an.
Kaffee überall.
Auf dem Sakko, auf der Hose, sogar auf deinen Schuhen – von denen du dir immer noch einredest, sie seien „wasserdicht“.
Und jetzt die Frage:
Warum hab ich den Kaffee verschüttet?
Die schnelle Antwort liegt auf der Hand:
„Na, weil mich jemand angerempelt hat!“
Klar. Logisch. Ende der Geschichte.
Oder?
Und hier kommt mein Gedanke, den die meisten nie weiterspinnen.
Du hast den Kaffee verschüttet, weil Kaffee im Becher war.
Wäre Wasser drin gewesen, hättest du Wasser verschüttet.
Apfelsaft? Dann eben Apfelsaft.
Milchshake? Nun ja, dann bräuchtest du vermutlich einen Waschlappen UND einen Psychotherapeuten.
Und da wurde mir klar:
Vielleicht ist das bei uns genauso.
Wenn das Leben dich schüttelt – und das wird es, immer wieder –
dann kann nur das herauskommen, was in dir drin ist.
Bist du voll mit Gelassenheit, dann schwappt Gelassenheit über.
Bist du voll mit Wut, dann schwappt eben Wut über.
Und wenn du innerlich gerade ein brodelnder Espresso bist –
nun ja, dann gute Nacht, hellblaues Hemd.
Das ist wie bei einem Smartphone-Akku:
Wenn er voll ist, dann leuchtet die Taschenlampe hell.
Ist er leer, kannst du draufdrücken, so viel du willst – da kommt nichts mehr.
Oder wie bei Social Media:
Wenn du innerlich Frust gespeichert hast,
dann wird dein Kommentarbereich nicht plötzlich voller Sonnenschein sein.
Egal, wie viele Katzenvideos dir der Algorithmus serviert.
Und ich hab mich gefragt:
Was ist eigentlich in meinem eigenen Becher?
Kaffee, klar. Immer Kaffee.
Aber auch ein bisschen Humor.
Und eine Portion Geduld – wobei… die schwappt leider oft als Erstes raus.
Vielleicht sollten wir alle ein bisschen darauf achten,
womit wir uns selbst füllen.
Nicht erst, wenn das Leben uns anrempelt,
sondern schon vorher.
Keine Ahnung ist nur so ein Gedanke...
Ich sag, wie’s ist:
Heute bin ich froh, dass niemand mich angerempelt hat –
ich hätte sonst vermutlich Ironie verschüttet.
Und die Flecken kriegt man nie wieder raus.



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