Was wir von Kindern brauchen könnten
- Christoph

- 18. Feb.
- 2 Min. Lesezeit

Heute habe ich in einem durchaus renommierten, schwergewichtigen, seriös daherkommenden Business-Magazin etwas gelesen, das ich seit Jahren – mit leicht erhobenem Zeigefinger, aber immer mit Augenzwinkern – predige.
Was wir Erwachsenen von Kindern lernen können.
Also nicht dieses pädagogisch weichgespülte
„Kinder sind unsere Zukunft“-Geschwafel.
Sondern ganz konkret.
Ganz praktisch.
Ganz unbequem.
Und während ich diese klugen Sätze im Magazin lese, denke ich mir:
Aha.
Jetzt steht es gedruckt da.
Jetzt ist es offiziell.
Jetzt ist es valide.
Was wir so unglaublich gebildeten, zertifizierten, erfahrungsschwangeren, lebenslaufpolierten Erwachsenen nämlich dringend bräuchten, ist nichts Neues.
Es ist nur vergessen.
Wir waren das nämlich alles schon einmal.
Klar in der Antwort.
Schnell in der Korrektur.
Unbeeindruckt vom eigenen Fehler.
Ein Kind fragt nicht:
„Wie wirkt das jetzt strategisch auf mein Umfeld?“
Ein Kind fragt:
„Warum?“
Und wenn die Antwort nicht passt, kommt sofort das nächste Warum.
Ohne Angst vor Peinlichkeit.
Ohne Sorge um Status.
Ohne LinkedIn-Post dazu.
Kinder haben kurze Lernschleifen.
Sie probieren.
Sie fallen.
Sie stehen auf.
Sie probieren wieder.
Wir Erwachsenen hingegen machen erst einmal ein Projektteam.
Dann eine Analyse.
Dann ein Risiko-Assessment.
Dann einen Workshop.
Und am Ende beschließen wir, es vielleicht nächstes Quartal zu testen.
Ein Vierjähriger braucht für diese Entscheidung ungefähr 12 Sekunden.
Kinder haben auch keine Angst davor, falsch zu liegen.
Sie sagen mit voller Überzeugung:
„Das ist so!“
Und fünf Minuten später sagen sie genauso überzeugt:
„Ach nein, doch anders.“
Wir hingegen verteidigen Standpunkte bis aufs Messer, nur um nicht zugeben zu müssen, dass wir uns geirrt haben. Warum?
Weil wir meinen, Kompetenz wäre Gleichbedeutend mit Unfehlbarkeit.
Kinder wissen es besser.
Kompetenz heißt ausprobieren.
Nicht festhalten.
Und dann ist da noch etwas.
Kinder antworten klar.
„Mag ich.“
„Mag ich nicht.“
„Versteh ich nicht.“
„Will ich nochmal.“
Wir Erwachsenen verpacken selbst einfache Dinge in Watte, Kontext, diplomatische Floskeln und strategische Nebelkerzen.
Ein Kind sagt:
„Langweilig.“
Ein Erwachsener sagt:
„Ich sehe da durchaus Potenzial, aber vielleicht sollten wir die Perspektive noch einmal evaluieren.“
Gleicher Inhalt.
Nur gefühlt 38 Wörter mehr.
Und dann diese Fehlerkultur.
Kinder bauen Türme.
Türme fallen um.
Sie lachen.
Wir bauen Präsentationen.
Eine Folie verrutscht.
Weltuntergang.
Vielleicht sollten wir uns weniger auf unsere Zertifikate verlassen und mehr auf das, was wir mit fünf ganz selbstverständlich konnten:
Neugier.
Schnelligkeit.
Unmittelbarkeit.
Und diese fast schon freche Selbstverständlichkeit, Fehler als Teil des Spiels zu sehen.
Und ja – wir waren alle einmal so.
Es ist nicht so, dass wir das nie konnten.
Wir haben es nur professionell verlernt.
Ich sag wie’s ist:
Vielleicht müssten wir nicht mehr lernen.
Sondern uns nur erinnern.



Hallo Christoph! Treffender geht´s kaum. Gratulation für deine Texte! LG aus München
Ja wie wahr wieder mal mein Lieber!😊