Wenn alle am Boden krabbeln.
- Christoph

- 16. Juli 2025
- 2 Min. Lesezeit
(Oder: Über Münzen und gemeinsam sammeln)

Freunde, Freunde, Freunde…
Manche Tage starten so tief, da hilft nicht mal ein Espresso.
Heute früh, Tabakladen, kurz vor acht.
Voll natürlich. Menschen mit müden Augen, hektischen Gedanken und dem letzten Kleingeld.
Ich sage, was ich will. Die Verkäuferin scannt, ich greife nach meiner Geldbörse…
… und verstreue in einem Akt höchster Präzision gefühlt 20 Münzen quer durch den Laden.
Manche rollen bis zur Auslage. Andere verstecken sich unter dem Kaugummiregal.
Mir? Ein bisschen unangenehm.
Aber dann passiert etwas Schönes.
Die Verkäuferin grinst:
„Ach, wissen’s, mir ist mal eine ganzePackung von diesen Zigarettenhüllen zum selber stopfen runtergefallen – seitdem weiß ich: Auch im Verkaufsraum ist der Tiefpunkt nicht weit.“
Das war der Startschuss.
Der Typ hinter mir erzählt, wie ihm beim Billa mal ein Glas Honig geplatzt ist.
„Das Regal klebt heute noch.“
Eine Frau ergänzt: „Mir ist im Büro mal der Glückskeks runtergefallen.
Der Zettel drin? 'Wird ein schwerer Tag.'
Hätt ich ernst nehmen sollen.“
Und plötzlich bückt sich der halbe Laden nach meinen Münzen.
Eine kleine Szene am Boden. Aber ehrlich gesagt: Besser kann man das Leben nicht zusammenfassen. Es dauert keine zwei Minuten, bis aus einem peinlichen Moment so etwas wie Gemeinschaft wird.
Wie oft funktioniert genau das auch im Marketing?
Wenn einer stolpert, kommen alle aus ihren Ecken, schauen, helfen, geben Tipps, erzählen von eigenen kleinen Desastern.
Failing Forward nennt man das im Business-Deutsch.
Oder wie wir hier sagen: „Mach weiter. Aber vorher heb deine Münzen auf.“
Marketing? Funktioniert genauso.
Wenn du denkst, du hast alles im Griff, fällt dir garantiert irgendwo was runter.
Ideen, Budgets, gute Laune, Kunden.
Der Trick ist nicht, perfekt zu bleiben.
Der Trick ist, wieder aufzusammeln – am besten gemeinsam.
Keiner lacht, wenn du stolperst. Alle helfen, wenn du weitermachst.
Oder wie wir im Marketing sagen würden:
„Brand Building beginnt manchmal ganz unten. Und Kundenbindung auch.“
(Schon mal jemand gesehen, der sich nach einem gutgemeinten Münzensuchen nicht bedankt hat? Eben.)
Am Ende findet jemand noch eine letzte 2-Euro-Münze.
„Die gehört sicher auch Ihnen.“
Na gut, denk ich mir.
Ich kauf ein Rubbel-Los. Vielleicht bringt der Boden ja Glück.
Was soll ich sagen: Glatte Niete.
Aber 2 Euro für eine ziemlich ehrliche Reminder-Story sind gut investiert.
Ich sag, wie’s ist:
Im Leben wie im Marketing – nicht alles glänzt. Aber was klimpert, verbindet.
Und ja, der Kaffee danach hat trotzdem geschmeckt.
Man muss ja irgendwo anfangen, wieder aufzustehen.
Am besten mit Humor. Und einem 50-Cent-Stück in der Tasche, für alle Fälle.



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