Wenn irgendetwas dem Hirn eine Brille aufsetzt
- Christoph

- 2. Sept. 2025
- 2 Min. Lesezeit

Es ist ein eigenartiger Tanz, dieser Zwischenraum, in dem wir uns so oft wiederfinden: Rationalität links, Emotionalität rechts, und irgendwo dazwischen steht man selbst.
Rational betrachtet sollte vieles glasklar sein. Die Fakten liegen am Tisch, die Argumente sind sauber sortiert, der Kopf nickt zustimmend: So ist es. Punkt.
Und dann beginnt die andere Seite zu flüstern. Nicht laut, nicht logisch, eher wie ein Echo, das man nicht ganz loswird. Die Emotionalität. Sie fragt nicht nach Fakten, sie braucht keine Tabellen. Sie zieht Fäden, die manchmal viel älter sind als die Situation selbst. Sie ist wie ein Wind, der ein sorgfältig aufgestelltes Kartenhaus zum Zittern bringt.
Rationalität sagt: „Das Wasser im Glas ist halb voll.“ Emotionalität sagt: „Aber erinnerst du dich, wie es sich angefühlt hat, als es noch ganz voll war?“
Und schon ist man raus aus der Logik und mittendrin in einer inneren Diskussion, die niemand gewinnen kann.
Ich bin ein emotionaler Mensch. Gleichzeitig erfasse ich Dinge sehr schnell und klar. Und doch gibt es Geschichten, bei denen ich das Gefühl habe, dass die Emotionalität meine Rationalität manipuliert – fast so, als würde sie ihr eine rosarote Brille aufsetzen. Die Fakten sind da, sie sind offensichtlich, und trotzdem werden sie weichgezeichnet. Vielleicht, weil eben das Herz oder etwas in dir noch nicht so weit ist, sie in voller Härte zu sehen. Und über die Zeit, ja, mag es sein, dass sich dieses Verhältnis gesund einpendelt. Aber bei mir dauert das, bei Gott sei Dank nur ganz wenigen Dingen, gefühlt mehr als nur eine Ewigkeit.
Vielleicht ist es wie mit einem Kompass, der auf dem Schiff funktioniert – bis man in der Nähe eines starken Magnetfeldes ist. Plötzlich zeigt die Nadel nicht mehr Norden an, sondern dreht sich unruhig, und man weiß: Der Kompass funktioniert eigentlich, aber er wird beeinflusst. So ähnlich verhält es sich mit Rationalität, sobald Emotionalität ins Spiel kommt.
Interessant ist: Wir brauchen beides. Ohne Rationalität wären wir im Chaos, ohne Emotionalität wären wir Maschinen. Aber das Zusammenleben der beiden in ein und demselben Kopf – das ist manchmal Schwerstarbeit.
Man könnte es auch vergleichen mit einem Orchester. Die Rationalität ist der Dirigent: klare Zeichen, Struktur, Takt. Doch die Emotionalität ist die Solovioline – sie trägt die Melodie, die niemand ignorieren kann. Und während der Dirigent darauf besteht, dass alles im Takt bleibt, zieht die Violine das Stück manchmal in eine ganz andere Richtung.
Und so sitzt man da, zwischen Klarheit und Gefühl, zwischen Zahlen und Geschichten, zwischen Ordnung und Chaos – und versucht, nicht die Nerven zu verlieren.
Ich sag, wie’s ist:
Einfach ist es nie. Aber vielleicht ist genau dieses Spannungsfeld der Grund, warum wir uns lebendig fühlen.



so ist das...aber du drückst es wie immer auf eine ganz spezielle Weise aus. LG