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Wer war das bitte – nur ein Vogel?



Es war fast Mitternacht, 23:45 Uhr, und ich saß an einem Pokertisch, der schon leergeräumt war. Nur noch ein letztes Turnier lief – gestreamt für die Community. Jens war draußen, Adam noch dabei, aber eigentlich spielte das keine Rolle für die Zeilen hier. Neben mir Kevin. Wir redeten ein bisschen Fachliches, so wie man das halt tut, wenn die Karten verteilt sind und die Köpfe müde.


Objektive, Kameras, Technik – das Sony G-Master 70-200, 2.8 kam zur Sprache. Das es schon ein ganz gutes Teil ist.....Und wie das so ist, man macht ein paar gedankliche Haken – schwupps waren wir bei Eltern, von denen wir vielleicht doch die eine oder andere Leidenschaft oder Talent geerbt haben. Und ehe wir uns versahen, saßen wir mitten in einem Gespräch, das weder zur Uhrzeit noch zum Setting passte: Verlust, Vermissen, Menschen, die viel zu früh gehen.


Es war eines dieser Gespräche, die sich nicht planen lassen, die einfach passieren. Leise, ehrlich, ganz ohne Filter. Der Abend endete so, unspektakulär – und gerade deshalb gut.


Am nächsten Morgen schlendere ich durch die Stadt. Musik im Ohr, Kopf klar, Herz noch ein bisschen beim gestrigen Gespräch. Keine Traurigkeit, eher ein stilles Nachfühlen. Ich nehme den Weg, den ich schon ein paar Mal gegangen bin – diesmal einfach aus einer Laune heraus. Plötzlich stehe ich am Eingang zu einem Park. Samstagfrüh, kaum jemand unterwegs. Mein Fuß, der nicht der fitteste ist, freut sich über eine Pause. Also lasse ich mich auf eine Parkbank sinken, schaue in die Stille und denke nochmal an Mom. Da ist dieses Lächeln in mir – und gleichzeitig dieser leise Stich, den man nie ganz los wird.


Und dann passiert es.

Ein Vogel flattert herab, hab keine Ahnung wie man diese Art nennt, setzt sich direkt vor mich auf den Kiesweg. Dreht den Kopf – als wollte er mich mustern – und kommt bis auf fünf Zentimeter an mein Bein heran. Kein Zucken, keine Scheu. Er bleibt. Zehn Minuten lang. Zehn Minuten direkt vor meinem Schuh. Nicht wie eine Taube, die vielleicht Futter vermutet. Ich bewege mich, atme, schaue, packe meinen Rucksack aus und fotografiere ihn. (Originalbild oben) aber er rührt sich nicht. Als würde er mir sagen: „Bleib ruhig, ich bin da.“

Wie ein Hund, der sich einfach zu dir legt.


In diesem Moment wird alles still. Die Geräusche der Stadt, die Gedanken, einfach alles. Nur dieser Vogel, ich – und eine sonderbare Ruhe, die mich umgibt.


Dann, fast wie ein kleines Ritual: Der Vogel neigt den Kopf zweimal nach links, zweimal nach rechts, dreht sich um, trippelt ein paar Schritte – und fliegt davon.


Zurück bleibe ich – und dieses Gefühl, als hätte man mir für zehn Minuten jemanden geschickt. Ein Gruß. Ein Zeichen. Oder war es einfach nur ein Vogel in einem Park, der keine Angst hatte. Ich habe echt keinen Ahnung. Vielleicht interpretiere ich zu viel hinein. Vielleicht war es nichts Besonderes. Aber vielleicht war es eben doch mehr. Merkwürdig.


Und ich sag’s, wie’s ist:

Genau dazwischen – zwischen „nur ein Vogel“ und „vielleicht doch irgendwas, was wir nicht so richtig erfassen können“ – liegt manchmal das, was uns innerlich still macht.

 
 
 

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