Zwei Männer. Ein Italiener.
- Christoph

- 6. Aug. 2025
- 3 Min. Lesezeit

Irgendwie ist das alles vielleicht dünnes Eis – aber manchmal muss man genau dort tanzen, wo’s knirscht.
Ich habe also einen alten Freund wieder getroffen. Nach vielen, vielen Jahren.
Abends beim Italiener, klassisches Setting, die Kellner leicht genervt, weil wir „nur“ bestellen und nicht beeindrucken wollen.
Wir beide, 55, selber Jahrgang. Rund um die Matura hatten wir viel miteinander zu tun. Danach wie so oft: Leben. Und irgendwann verlaufen sich Wege, bis sie sich halt wieder treffen. Manchmal zufällig. Manchmal, weil es einfach Zeit ist.
So oder so – dieser Abend war einer, wie ihn das Leben auftischt, wenn’s gerade gut drauf ist.
Und wenn man dann so zusammensitzt, redet, lacht, nach dem dritten Brotstück aufhört zu lügen, dann kommt man irgendwann auf das Alter zu sprechen.
„Wir sind halt in den 50ern“, sagt er.
Ich schau ihn an. „Na, aber besser als in den 80ern.“
Er: „Wegen der Mode?“
Ich: „Wegen allem.“
Früher – das geben wir zu – haben wir auf der Straße manchmal Mutter und Tochter angeschaut.
Und, das ist kein Scherz: wir fanden die Mutter meistens cooler.
Und heute....?
Aber einig waren wir uns, was die Zukunft auch bringt: Sugardaddies werden wir sicher keine. ;-) Nicht nur, weil uns der Zuckergehalt fehlt – sondern auch der Wille zur Peinlichkeit.
Und wir leben in unserem Alter.
„Midlife-Crisis?“ frage ich.
Er: „Wenn dann sehr dezent. Ich hab letztens eine gekauft.“
Ich: „Was?“
Er: „Eine Crisis. Ferrari-Leasing, 0 % Anzahlung, dafür 1.200 im Monat. Metallic-Lackierung inklusive.“
Ich blinzel.
Ich: „Ich hab ein E-Bike gekauft.....hast du WIRKLICH einen Ferrari gekauft?“
Er schaut mich ernst an. „Natürlich nicht.“
Dann: „Hast DU wirklich ein E-Bike?“
Ich: „Hallo? Glaubst du wirklich, ich brauche ein E-Bike?“
Wir lachen.
Wirklich ernst nehmen wir das nicht.
Dieses ganze Statussymbol-Theater – kommt uns heute vor wie ein Marketingkonzept, das auf Selbstzweifel basiert. (in der Jugend war´s vielleicht anders, denk ich mir)
Und Gesundheit?
Haben wir beide schon was durch.
Aber wir gehören zur seltenen Spezies:
gut gelaunt und positiv – kostet dasselbe wie grantig und negativ.
Er trinkt Wein.
Ich irgend so einen alkoholfreien Bitter mit stillem Mineralwasser.
„Senza Gas, bitte.“
Man hat ja Stil. Irgendwo.😀
Natürlich landen wir irgendwann bei Social Media, Internet, der Welt wie sie ist.
Und auch da – fast wie abgesprochen – wissen wir, was wir nicht mehr brauchen:
Ich: „Weißt du, was ich auch beruhigend finde?“
Er: „Was denn?“
Ich: „Dass wir uns von diesem ganzen Wahnsinn da draußen nicht verrückt machen lassen. Internet, KI, Bubble-Irrsinn…“
Er: „Ja. Alle reden, keiner denkt mehr selber. Wir glauben nicht alles, nur weil’s uns irgendwer einredet. Wir hinterfragen. Und wir plappern nicht nach, was uns unsere Bubble vorblubbert.
Ich: „Und wenn wir mal falschliegen, ist das wenigstens unsere eigene Dummheit.“
Er: „Eben. Authentisch daneben ist besser als perfekt ferngesteuert.“
Wir reden über unsere Jugend.
Die Nächte durchgefeiert, durchgetanzt, durchgelacht.
Heute?
Maximal bis 23:30.
Und das ist dann aber schon hart an der Belastungsgrenze. (nicht immer😀)
Wir kommen drauf:
Wir leben unser Leben. Nicht das der anderen.
Nicht das aus der Werbung. Nicht das, das glänzt, aber innen hohl ist.
Und das ist sehr viel wert.
In Zeiten wie diesen vielleicht das Wertvollste überhaupt.
Und wie wir so sitzen – immer noch dieselben Typen wie damals, nur mit ein paar mehr Geschichten im Gepäck – merken wir:
Das hier war gut.
Ehrlich.
Vielleicht wird das ein Jour Fixe.
Einmal im Monat beim Italiener.
Vielleicht auch nicht.
Vielleicht, wenn wir sechzig sind, sagen wir:
„Kannst dich erinnern? Damals beim Italiener... wo wir so getan haben, als wären wir gescheit.“
„Sind wir doch“, sagt er.
Ich: „Stimmt eigentlich - möglicherweise“
Ich sag wie´s ist:
Wenn du jetzt denkst: klingt wie Kino – nein, das ist das echte Leben. Und manchmal hat es bessere Dialoge als so manche Serie eines Streaming-Dienstes.



ja man wir älter ... ;-)