Über nichts und doch viel reden
- Christoph

- 14. Okt. 2025
- 2 Min. Lesezeit

Manchmal reicht ein Abendessen beim Italiener, und schon sitzt man mitten im Leben.
Vor eIn paar Wochen. Eigentlich wollten wir uns nur wieder beim Italiener treffen – wie wir es noch öfter machen sollten! Ein bisschen plaudern, ein Glas Rotwein, oder halt was ich trinke, ein paar Gedanken, die irgendwo zwischen Vorspeise und Hauptgang hängenbleiben.
Und dann passiert’s:
Man rutscht von
„Wie war dein Tag?“ zu „Bereust du eigentlich irgendwas im Leben?“
So schnell kann’s gehen.
Ich sag: „Schwierige Frage.“
Er sagt: „Findest du?“
Ich sag: „Naja… kommt drauf an, ob man’s aus heutiger Sicht oder aus damaliger meint.“
Gerade bei dem Gedanken bringt die Kellnerin die Pasta.
Perfektes Timing.
Er bestellt noch Parmesan nach – ich bestell mir lieber Zeit zum Nachdenken.
„Ich mein“, sag ich, „einerseits ist ja alles so gekommen, wie’s kommen musste.
"Musste?" wirft er ein
Andererseits… vielleicht hätt ich manches anders gemacht.“, sag ich.
„Anders oder besser?“ fragt er und stochert in den Cannelloni.
„Anders. Besser weiß man ja immer erst hinterher.“
Wir schweigen kurz.
Nur das Klirren der Gläser, Stimmen vom Nebentisch, ein leichtes Grinsen.
„Aber ganz ehrlich“, sag ich dann, „vielleicht ist’s eh egal. Am Ende sagen doch alle denselben Satz: Hauptsache, man hat was draus gelernt.“
„Klingt gut“, sagt er, „aber wär doch auch mal schön, nix lernen zu müssen, oder?“
Wir lachen. Stimmt ja.
Gerade in dem Moment kommt die Kellnerin wieder, fragt, ob alles passt.
„Ja, wunderbar“, sagen wir gleichzeitig.
Und irgendwie ist das Antwort genug.
Dann wird’s stiller.
Ich denk: All roads lead to where we stand.
Aber innerlich tauchen doch zwei Momente auf, bei denen ich denke – ja, das hätte ich wohl anders gemacht bzw. einen anderen Ausgang.
Wobei „anders“ nicht automatisch „besser“ heißt.
Es heißt nur: vielleicht mit einem anderen Gefühl.
„Man kann ja nicht alles planen“, sagt er, während er sein Tiramisu ansticht.
„Nein“, sag ich, „vor allem nicht, wenn andere Menschen im Spiel sind. Da hat man ja selten das letzte Wort.“
Er nickt. „Dann also kein Bedauern?“
„Vielleicht zumindest ein bisschen Nachdenklichkeit.“
„Und was machst du damit?“
Ich lächle. „Ich schreib’s auf. Ist günstiger als Therapie.“
Er hebt die Augenbrauen. „Alles? Auch in deinem Blog?“
Ich atme kurz durch. „Nein… manche Dinge sind vielleicht in mir drinnen.
Und Gedanken darüber werden eher keinen Weg in den Blog finden.
Zu emotional - ich werde damit leben, vermutlich leben müssen.“
Ich grinse. „Wow, das war jetzt ziemlich theatralisch, oder?“
Er lacht. „Harter Tobak.“
Ich nicke. „Ja, ich weiß… Aber der hat jetzt sein müssen.“
Wir lachen beide, denn wir beide kennen über Jahrzehnte die Ironie des anderen – und das Lachen fühlt sich irgendwie wie ein Komma im Leben an, kein Punkt.
Ich sag, wie’s ist:
Wir haben in Wirklichkeit über nichts Konkretes gesprochen – und trotzdem hat’s gutgetan. Bevor wir wieder bei den alten Zeiten waren: "Kannst du nicht noch erinnern als wir.........."



Ja ihr 2 beim Italiener🙂 Immer ein großes Geheimnis was ihr geplaudert habt...Sei euch gegönnt!