Über Texte, die geschrieben werden wollen – und solche, die lieber warten
- Christoph

- 8. Sept. 2025
- 2 Min. Lesezeit

Heute ist so ein Tag.
Ich hätte viele Themen. Wirklich.
Sie stapeln sich in meinem Kopf wie ungeduldige Gäste vor einem überfüllten Club.
Jeder will rein, jeder meint, er sei der wichtigste.
Und ich? Ich steh davor mit einem Klemmbrett, nicke freundlich und sage:
„Wir schauen, was sich machen lässt.“
Nur dass die Gäste Texte sind.
Und einige tragen seltsame Hüte.
Ich hab sogar fertige Texte. Schön poliert, gut gelaunt, bereit, veröffentlicht zu werden.
Lustige, skurile, aufheiternde, unvorstellbare, traurige, wütende, verzweifelte....alles da!
Es wäre so einfach.
Ein Klick auf „Veröffentlichen“, und schwupps – der Text fliegt hinaus in die Welt,
wie ein Luftballon mit zu viel Helium und einem leichten Hang zur Selbstdarstellung.
Aber nein.
Heute nicht.
Heute passen sie nicht zu mir.
Obwohl – mal ehrlich – keiner da draußen weiß, wie meine Stimmung eigentlich ist.
Vielleicht nicht mal ich.
Vielleicht bin ich heute eine Mischung aus „Jazz im Fahrstuhl“ und „Gummistiefel im Hochsommer“.
Also schreibe ich diesen Text.
Einen Text über Texte.
Quasi der Prosecco unter den Blogbeiträgen:
prickelnd, leicht, macht nichts kaputt,
aber hebt die Laune –
außer man trinkt zwölf davon, dann wird’s schwierig.
Es gibt Texte, die platzen vor Inhalt,
die springen einen an,
schütteln einen an den Schultern und brüllen:
„Schreib mich jetzt, sofort, los!“
Und wenn man sie nicht sofort aufschreibt,
verschwinden sie beleidigt –
wie Gäste, die den Kellner schon dreimal gewunken haben
und jetzt aus Rache das Salzfass umkippen.
Und dann gibt es diese anderen Texte.
Die leisen.
Die sitzen still in der Ecke, nippen an ihrem Espresso
und sehen dich an, als wollten sie sagen:
„Na, vielleicht morgen. Wenn du nett fragst.“
Wenn man ihnen Zeit gibt,
werden sie richtig großartig.
Aber wehe, man hetzt sie.
Dann werden sie zickig und setzen sich schmollend in eine Schublade,
wo sie irgendwann anfangen,
sich über dich lustig zu machen –
gemeinsam mit den alten Einkaufszetteln und der Schere,
die du seit drei Jahren suchst.
Manchmal hab ich das Gefühl, Texte haben mehr Charakter als manche Menschen.
Es gibt die Dramaqueens, die nur mit viel Glitzer und einem riesigen Auftritt funktionieren.
Es gibt die Philosophen, die stundenlang über einen einzigen Satz grübeln.
Und natürlich die Smalltalk-Texte – nett, freundlich,
und am nächsten Tag hat man schon vergessen, dass man sie gelesen hat.
Wie diese Leute auf Partys, die sich immer „nur mal kurz vorstellen“ wollen
und dann plötzlich deinen Kühlschrank inspizieren.
Heute schreibe ich einen, der einfach nur da ist.
Ein Text, der keinen Preis gewinnen will.
Kein Drama, kein Glitzer, kein philosophischer Tiefgang.
Nur ein bisschen Gesellschaft für euch,
wenn der Tag zu Ende geht.
Ein Text wie ein guter Gin Tonic:
Nicht kompliziert,
aber irgendwie genau richtig –
mit einer Gurkenscheibe, die aussieht,
als hätte sie gerade ein Geheimnis erfunden.
Ich sage, wie’s ist:
Heute ist so ein Tag.
Wie gesagt, ich habe heute keinen Anspruch.
Vielleicht hab ich den sogar nie.
Aber naja… doch.
Den Anspruch, dass es dir gut geht.



Hallo Christoph! Hoffe es geht dir gut..wünsch dir einen schönen Abend. Danke für die Texte!