Vielleicht ist einfach alles zu laut.
- Christoph

- 15. Jan.
- 2 Min. Lesezeit

HEUTE! Wie unfassbar laut alles andere ist.
Nicht im klassischen Sinn.
Nicht Dezibel.
Nicht Straßenlärm.
Ich meine dieses permanente Grundrauschen aus Meinungen, Reaktionen, Einschätzungen, Richtigstellungen und Sofort-Antworten.
Man hat heute zu allem etwas zu sagen.
Am besten sofort.
Und wenn man nichts zu sagen hat, sagt man halt das auch.
Stille wirkt verdächtig.
Wer nichts sagt, hat entweder keine Ahnung
oder – noch schlimmer – denkt nach.
Und Nachdenken ist ja bekanntermaßen gefährlich.
Da könnte ja etwas Eigenes dabei herauskommen.
Ich beobachte das gern.
In Gesprächen.
In Runden.
In Momenten, in denen jemand etwas in den Raum stellt – und keine zwei Sekunden später springen drei andere drüber wie auf ein loses Mikrofon.
Nicht, weil sie böse sind.
Nicht, weil sie unhöflich sind.
Sondern weil sie es nicht aushalten, dass etwas kurz einfach nur da ist.
Es gibt Menschen, die können Pausen nicht stehen lassen.
Da fällt ein Satz. Eine Lücke entsteht. Und sofort wird sie gefüllt.
Mit irgendwas.
Anekdoten.
Erfahrungen.
Vergleichen.
Oder diesem Klassiker:
„Also ich seh das ja ganz anders…“
Gratulation. Niemand hat gefragt. 😂
Ich habe mich lange gefragt, ob ich da einfach anders ticke.
Ob ich kompliziert bin. Oder empfindlich. Oder zu langsam.
Weil ich manchmal nicht sofort reagiere.
Weil ich nicht jedes Thema zerreden möchte.
Weil ich finde, dass nicht jede Meinung Luft braucht.
Manche dürfen auch einfach im Kopf bleiben.
Da fühlen sie sich oft wohler.
Vielleicht liegt es daran, dass ich gelernt habe,
dass nicht jede Erklärung etwas besser macht.
Dass nicht jede Klärung wirklich klärt.
Und dass man manche Dinge kaputtredet,
wenn man sie zu lange betrachtet.
Nicht alles will diskutiert werden.
Manches will einfach vorbeiziehen.
Ich sehe Menschen, die sich regelrecht überschlagen mit Einschätzungen.
Zu allem. Zu jedem. Zu jeder Kleinigkeit.
Und ich denke mir manchmal:
Ihr müsst nicht überall dabei sein.
Nicht jedes Gespräch braucht euch.
Und nicht jede Meinung ist ein Beitrag.
Manches ist nur Geräusch.
Das Lustige ist:
Je lauter alles wird,
desto mehr sehnen sich alle nach Ruhe.
Nach Klarheit.
Nach „bei sich sein“.
Nach Balance.
Und produzieren dabei noch mehr Lärm.
Vielleicht ist es gar nicht kompliziert, ruhig zu sein.
Vielleicht ist es nur ungewohnt.
Vielleicht wirkt jemand, der nicht sofort reagiert,
nur deshalb fremd,
weil er den Mut hat, nichts zu sagen,
wenn nichts gesagt werden muss.
Ich sag wie’s ist:
Ich glaube nicht, dass ich kompliziert bin.
Ich glaube, ich höre einfach auf,
mich am Dauerlärm zu beteiligen.
Und das fühlt sich überraschend gut an.



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