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Ich bin fein damit. Wirklich.


Manchmal bleiben Sätze hängen.

Nicht, weil sie besonders laut gesagt werden.

Sondern weil sie leise andocken.


Ich habe irgendwo aufgeschnappt – keine Ahnung mehr wo, keine Ahnung von wem – diesen Gedanken:


Wenn ich jemanden schlecht behandle, kommt das ziemlich sicher zurück.

Wenn ich jemanden gut behandle, heißt das noch lange nicht, dass Gutes zurückkommt.

Aber das Universum antwortet trotzdem.


Und dieser Satz hat sich bei mir festgesetzt.

Nicht aufdringlich.

Eher so, wie sich ein Gedanke neben dich setzt und sagt:

„Denk mal kurz drüber nach.“


Denn der erste Teil ist leicht.

Fast banal.

Fast Buchhaltungslogik des Lebens.


Aktion – Reaktion.

Ton – Echo.

Wer austeilt, wird irgendwann einstecken.


Das versteht jeder.

Das fühlt jeder.

Das überrascht niemanden.


Aber der zweite Teil…der ist interessant.


Denn da geht es plötzlich nicht mehr um Fairness.

Nicht um Ausgleich. Nicht um „wie du mir, so ich dir“.


Da geht es um etwas anderes.

Wenn ich jemanden gut behandle,

ohne Garantie,

ohne Rückschein,

ohne Erwartung…


…dann tue ich das nicht mehr für die andere Person.

Dann tue ich es für mich.


Und genau da wird es unbequem für unser inneres Gerechtigkeitsempfinden.

Weil wir gelernt haben, dass sich Gutes lohnen soll.

Dass es sich auszahlen muss.

Dass da bitte etwas zurückkommen möge – wenigstens ein bisschen.


Ein Danke.

Ein Zeichen.

Ein „ich sehe das“.


Aber das Leben ist kein Kassensystem.

Und das Universum keine Kundenhotline.


Vielleicht ist gutes Handeln nicht dazu da, etwas auszulösen.

Sondern etwas zu sein.


Ein Zustand.

Eine Haltung.

Eine Entscheidung, die nichts mit der Reaktion des Gegenübers zu tun hat.


Und vielleicht antwortet das Universum auch gar nicht dort, wo wir hinschauen.

Nicht bei der Person.

Nicht im direkten Kontakt.

Nicht in derselben Geschichte.


Sondern woanders.

In Ruhe.

In Klarheit.

In dem Gefühl, abends zu wissen, dass man sich selbst nicht verraten hat.

In dem Wissen, dass man nicht härter geworden ist, nur weil jemand anderes es war.


Das Gute kommt dann nicht zurück. Es bleibt.


Und das Schlechte? Das darf gerne weiterziehen.

Ohne mich. Gutes tun ist keine Investition. Es ist eine Haltung.


Und damit bin ich fein.


Ich versuche, gut zu sein.

Nicht perfekt. Nicht immer souverän.

Aber ehrlich in der Haltung.


Und ja – wenn ich genauer hinschaue, merke ich:

Ich war und bin auch gut zu Menschen,

die mir nichts Gutes zurückgegeben haben.

Nicht aus Naivität.

Nicht aus Schwäche.


Sondern, weil ich irgendwann verstanden habe,

dass mein Verhalten nichts über sie aussagt –

aber sehr viel über mich.


Ich schulde niemandem Härte, nur weil er sie mir gezeigt hat.

Ich schulde niemanden Glechgültigkeit, nur weil ich es für sie bin oder geworden.

Und ich muss nicht bitter werden, nur weil andere es längst sind.


Ich sag wie´s ist:

Ich bin fein damit.

Wirklich. Und das ist vielleicht die ehrlichste Antwort,

die das Universum mir geben konnte.

 
 
 

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