Ausgerechnet Instagram.
- Christoph

- 9. Aug.
- 3 Min. Lesezeit

Gestern Abend saß ich draußen. Es war schon fast dunkel.
Vor mir mein MacBook Pro. Der Bildschirm leuchtete inzwischen so hell in die Dunkelheit, dass man wahrscheinlich aus dem Nachbarort hätte erkennen können, dass ich gerade wieder an einem Satz herumdoktere.
Ich war dabei, meinen Blogtext fertigzustellen.
Ein letzter Satz.
Ein Wort streichen.
Ein anderes wieder hineinschreiben, das ich fünf Minuten vorher schon gestrichen hatte.
Also eigentlich ein ganz normaler Abend.
Dann leuchtete plötzlich mein Handy auf. Und zwar so hell, dass es für einen Moment die dramatischste Lichtquelle auf dieser Terrasse war.
Mein erster Gedanke:
„Wer will gerade etwas? Wer schreibt mir?“
Diese Art von Aufleuchten kennt man.
Dieses kurze:
„Achtung. Hier passiert gerade etwas.“
So stelle ich mir die CNN-App vor, wenn irgendwo auf der Welt gerade etwas passiert, das man besser nicht erst morgen früh beim Kaffee erfährt.
Eine Breaking News.
Ein Präsident tritt zurück.
Ein Flugzeug ist verschwunden.
Irgendetwas, bei dem man sofort denkt:
„Okay. Das ist jetzt wichtig.“
Ich griff nach dem Handy. Schaute auf das hell erleuchtete Display.
Und da stand: Instagram.
Eine einzige kleine Nachricht. Sinngemäß:
„Diese Person hat eine neue Story gepostet.“
Das Interessante daran: So eine Meldung hatte ich von Instagram überhaupt noch nie bekommen. Keine einzige. Und ausgerechnet diesmal kam sie von dieser Person.
Jetzt wurde es interessant. Denn ich bin mir ziemlich sicher, dass ich auf keiner der Listen stehe, die Instagram inzwischen vermutlich für alles Mögliche führt.
Wer darf was sehen?
Wer darf was nicht sehen?
Wer bekommt welche Story?
Wer gehört zur persönlichen Zielgruppe?
Wer ist ausgeschlossen?
Keine Ahnung, wie viele Listen Instagram dafür inzwischen führt. Ich bin mir nur ziemlich sicher, dass ich, wenn überhaupt bei dieser Person, eher auf der Liste
„Alle außer Christoph“ stehe. 😉
Nicht im Sinne von:
„Heute ist halt keine Story da.“
Sondern ziemlich eindeutig. Ich kann sie nicht sehen, auch wenn es welche gäbe. Punkt. Und normalerweise würde mir das überhaupt nicht auffallen. Warum auch? Wenn ich etwas nicht sehen kann, sehe ich es eben nicht. So kompliziert ist das eigentlich nicht.
Nur hatte Instagram gerade beschlossen, mir mitzuteilen:
Da ist eine Story. Heeee ...
Das glaube ich jetzt nicht.
Vielleicht hatte sich etwas geändert.
Vielleicht war die Meldung einfach falsch.
Vielleicht wollte mir Instagram tatsächlich etwas zeigen.
Und genau dieses kleine „Vielleicht“ reicht offenbar schon, damit die Neugier gewinnt.
Also klickte ich. Und natürlich ... nichts. Keine Story.
Zumindest keine, die ich sehen konnte. 😉
Instagram wollte mir vielleicht tatsächlich etwas sagen.
Nur wahrscheinlich etwas anderes ...
Was wollte mir Instagram damit eigentlich sagen?
Dass diese Person ein Leben hat?
Danke, Instagram. Das wusste ich.
Dass diese Person eine Story gepostet hat?
Offenbar. Nur sehe ich sie halt nicht.
Das weiß ich auch.
Oder wollte Instagram mich einfach wieder einmal an diese Person erinnern?
Danke, Instagram. Aber auch da musst du dir eigentlich keine besondere Mühe machen.
Ich hab die Person nicht vergessen. 😉
Und damit war die Sache eigentlich erledigt.
Zumindest technisch. Phantom-Benachrichtigung. Technischer Schluckauf. Instagram macht Instagram-Dinge. Fertig.
Nur ist es erstaunlich, wie wenig unser Gehirn manchmal braucht, um aus einer völlig belanglosen Information eine kleine Geschichte zu machen.
Eine Nachricht.
Ein Name.
Eine Story, die man nicht sehen kann.
Und plötzlich möchte man wissen:
Warum schreibt dir das Instagram? Dabei ist objektiv gar nichts passiert.
Eine Benachrichtigung ist erschienen.
Ich habe darauf geklickt.
Keine Story.
Ende.
Eigentlich.
Aber unser Gehirn mag solche offenen Enden nicht besonders. Es hätte gerne eine Erklärung. Eine Ursache. Einen Zusammenhang. Und wenn keine Erklärung da ist, fängt es eben an, eine zu bauen. Nicht unbedingt, weil es etwas Wichtiges herauszufinden gäbe.
Sondern weil unser Kopf offenbar nicht besonders gut darin ist, Dinge einfach offen stehen zu lassen.
Vielleicht war es nur ein Fehler.
Vielleicht nicht.
Vielleicht weiß Instagram selbst nicht, was es mir da eigentlich mitteilen wollte.
Und vermutlich ist genau das die vernünftigste Antwort:
Man weiß es nicht.
Nur hat mein Gehirn offenbar noch nicht ganz verstanden, dass das manchmal schon eine vollständige Antwort ist.
Ich sag, wie’s ist:
Ich saß gestern Abend eigentlich nur draußen und wollte meinen Blogtext fertig schreiben.
Dann leuchtete mein Handy auf. Und für ungefähr drei Minuten war eine nicht sichtbare Instagram-Story interessanter als der Blogtext, den ich gerade geschrieben hatte.
Verrückt 😉



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