Christophs Frühstück
- Christoph

- 23. Juli
- 2 Min. Lesezeit

Ich war vvor einiger Zeit mit einem Freund frühstücken.
Wir setzen uns. Die Speisekarte kommt. Ich schlage sie auf. Und gleich ganz oben springt mir ein Eintrag entgegen.
„Christophs Frühstück.“
Ich musste lachen. Nicht besonders laut. Aber laut genug, dass mein Gegenüber fragte:
„Was ist?“
Ich schob ihm die Speisekarte hin.
„Na schau... jetzt gibt's mich schon mit Butter und Marmelade.“
Bestellt habe ich es trotzdem nicht. Wäre irgendwie komisch gewesen.
„Ich hätte gern... mich selbst.“
Zum Glück hat die Kellnerin nicht gefragt, wie ich meine Eier gerne hätte. Spätestens da wäre das Frühstück vermutlich in eine Richtung gegangen, die niemand am Tisch geplant hatte.
Aber der Gedanke ließ mich nicht mehr los. Warum eigentlich? Warum reicht ein einziger Name auf einer Speisekarte, damit wir plötzlich das Gefühl haben, das hätte irgendetwas mit uns zu tun? Dabei steht dieses Frühstück wahrscheinlich schon seit Jahren dort.
Ein anderes mal wäre ich einfach darüber hinweggeblättert. An nächsten Tag blieb ich genau an diesen zwei Wörtern hängen. Schon interessant.
Unser Name ist wahrscheinlich eines der ersten Wörter, auf das unser Gehirn programmiert wird. Schon als Kinder drehen wir uns um, wenn jemand ihn ruft. Manchmal sogar dann, wenn gar nicht wir gemeint sind.
Vielleicht hört unser Gehirn gar nicht den Namen.
Vielleicht hört es einfach nur: „Du bist gemeint.“
Ich erlebe das immer wieder in meinen Seminaren. Wenn ich nach einem Beitrag sage:
„Bernhard, das war ein spannender Gedanke.“
Oder:
„Lara, den Vergleich merke ich mir.“
Dann passiert etwas. Nicht Großes. Aber etwas Wichtiges.
Plötzlich ist man nicht mehr irgendein Teilnehmer.
Man ist Bernhard. Oder Lara.
Man fühlt sich gesehen.
Und wahrscheinlich ist genau das eines der schönsten Gefühle überhaupt. Nicht, dass sich jemand an unseren Namen erinnert. Sondern dass wir für einen kurzen Moment das Gefühl haben: Ich bin gemeint.
Vielleicht mögen wir unseren Namen deshalb gar nicht so sehr, wie wir glauben.
Vielleicht mögen wir einfach das Gefühl, gesehen zu werden.
Von einem Menschen. Nicht von einer Teilnehmerliste. Nicht von einer Reservierung. Nicht von einem Namensschild. Einfach von einem Menschen.
Ich sag, wie's ist:
Irgendwann stand mein Name auf einer Speisekarte. Bestellt habe ich trotzdem etwas anderes.
Den Gedanken dahinter...



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