Die dümmste Frage unserer Zeit.
- Christoph

- 20. Jan.
- 2 Min. Lesezeit

Es gibt diese Momente.
Man lernt jemanden kennen, irgendwo, beruflich oder privat, egal
Ganz frisch. Noch ohne Schubladen, ohne Kontext, ohne Etikett.
Und dann kommt sie.
Fast reflexartig. Meist ganz am Anfang gleich.
„Und … was machst du so?“
Eigentlich harmlos.
Eigentlich höflich.
Eigentlich interessiert.
Und trotzdem verändert sich genau ab diesem Satz etwas.
Der Blick wird prüfender.
Der Raum ein wenig enger.
Das Gespräch bekommt plötzlich eine Richtung.
Nicht mehr: Wer bist du?
Sondern: Wo stehst du?
Denn seien wir ehrlich:
Diese Frage meint oft nicht Tätigkeit.
Sie meint Stellung.
Was fährst du?
Wo wohnst du?
Wie wichtig bist du – ungefähr?
Wenn jemand ein fettes Auto fährt,
in einem fetten Haus wohnt,
einen Titel trägt, der nach Vorstand oder Gründer klingt,
dann gilt automatisch:
Der weiß Bescheid.
Der hat sein Leben im Griff.
Dem hört man zu.
Was er sagt, zählt. Was er denkt, muss relevant sein.
So funktioniert das Spiel.
Leise.
Unauffällig.
Aber sehr zuverlässig.
Und plötzlich geht es nicht mehr um den Menschen.
Sondern um seine Verwertbarkeit im Gespräch.
Kann man von ihm etwas lernen?
Braucht man ihn vielleicht noch?
Oder reicht höfliches Nicken und weiterziehen?
Marketing nennt das Positionierung.
Das Leben nennt es manchmal einfach: schade.
Jetzt kommt meistens der Einwand.
„Na klar mögen diese Frage nur Menschen nicht, die nichts geleistet haben.“
Klingt logisch. Ist es aber nicht.
Denn es geht nicht um Leistung.
Es geht um Priorität.
Ich habe nichts gegen die Frage „Was machst du?“
Ich habe etwas dagegen, dass sie so oft als Abkürzung für Menschsein benutzt wird.
Ich versuche – wenn ich jemanden neu kennenlerne – nicht danach zu fragen.
Und ich versuche auch, sie nicht sofort zu beantworten.
Außer die Situation klärt es ohnehin: weil wir zusammenarbeiten, oder weil der Kontext es mitbringt.
Ansonsten lasse ich sie bewusst offen.
Nicht aus Trotz.
Nicht aus Unsicherheit.
Sondern aus Neugier.
Und weißt du, was dann passiert?
Man spricht plötzlich über:
Haltungen.
Beobachtungen.
Humor.
Widersprüche.
Über Dinge, die man nicht googeln kann und nicht auf LinkedIn findet oder kaufen kann.
Und irgendwann – später, wenn es passt – kommt auch das „Was machst du“.
Dann ist es keine Einordnung mehr. Sondern einfach Information.
Menschen machen auf mich oft mehr Eindruck mit einem Linus-van-Pelt-Schlüsselanhänger
als mit einem wütenden Stier oder dem Cavallino Rampante.
Nicht weil ich Autos nicht mag.
Oder Erfolg.
Oder Leistung.
Sondern weil Linus nichts beweisen will. Der steht da mit seiner Decke
und ist einfach… er selbst..und Denker, Philosoph und positiv und mitfühlend und, und...😉
Natürlich kann auch das ein Vorurteil sein. Ganz sicher sogar.
Ich sag wie’s ist:
Wenn ich mich entscheiden muss, höre ich lieber dem zu,
der mir zuerst etwas über sich selbst erzählt und nicht über das,
was er sich gekauft hat, oder vermeidlich alles geleistet hat.



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