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Ein Tag, der nicht ganz lädt


Es gibt Tage, an denen wirkt die Stadt wie eine Website, die nicht lädt.


Der Ladebalken hängt bei 73 % und keiner weiß, warum.

Heute war so einer.

Die Stadt im Stand-by.

Das Leben auf Sparflamme.


Kein Lieferwagen, der hupend rückwärts in eine Lücke drückt, als gäbe es dafür Bonuspunkte.


Kein komisches Geschaue von Menschen, denen man einen „Schönen Tag!“ wünscht,

während sie gleichzeitig telefonieren, husten und irgendetwas in ihrer Tasche suchen.


Nur diese träge Luft, die durch offene Fenster schleicht, als hätte sie selbst einen Kater vom Vortag.


Draußen: Straßen leer.

Geschäfte zu.


Selbst die Tauben wirken so, als wüssten sie, dass heute niemand kommt, der die letzten Brösel einer Semmel fallen lässt.


Vor einem Café sitzen drei Leute.

Nicht, weil sie müssen.

Sondern weil gerade nichts Dringenderes existiert.


„So ruhig heute…“ sagt einer.

Er hat recht.

Aber nicht im Wellness-Sinn.


Und dann ist da dieser Wind.

Der einzige, der heute arbeitet.

Nicht hektisch. Aber präsent.

So, als hätte er vergessen, dass eigentlich alles andere Pause hat.

Er zieht durch die Straßen, spielt mit offenen Jacken, blättert kurz in herumliegenden Zeitungen, als würde er nach etwas suchen, das heute nicht stattfindet.


Fast ein bisschen unpassend.

Als hätte er den falschen Tag erwischt.


Und dann Social Media.

Normalerweise ein verlässlicher Indikator dafür, dass irgendwo irgendetwas passiert.

Heute nicht.

Weniger Beiträge.

Weniger Reaktionen.

Alles ein bisschen leiser.

Als hätte jemand die Lautstärke heruntergedreht, ohne Bescheid zu sagen.

Das Netz wirkt, wie eine Kampagne, die zwar vorbereitet ist…

aber vergessen hat, live zu gehen.

Storys? Kaum.


Und statt der üblichen Empörungswellen gibt es maximal ein unscharfes Foto von einem Sonnenuntergang mit dem Text „No filter“.

Als hätte das jemals jemand geglaubt.


Es ist dieser Moment, in dem man merkt:

Es liegt nicht an einem selbst.

Und trotzdem fühlt es sich kurz so an.


Am Nachmittag fällt auf:

Nicht einmal Spam meldet sich.

Keine Anrufe.

Keine Angebote.


Nicht einmal diese hartnäckigen Versuche, einem etwas zu verkaufen, das man nie gebraucht hat.


Und plötzlich fehlt etwas. Nicht, weil es gut ist.

Sondern weil es sonst immer da ist.

Wie ein Pop-up-Fenster, das nervt…

aber beweist, dass alles noch funktioniert.


Man wartet auf irgendetwas.

Ein hupendes Auto.

Eine streitende Familie.

Einen Hund, der den Gehsteig inspiziert.


Nichts.

Sogar die Uhr tickt leiser als sonst.

Wie jemand im Homeoffice, der sein Mikro stummgeschaltet hat.


Und irgendwo zwischen all dem kommt dieser Gedanke:

Vielleicht ist es gar nicht die Ruhe, die so auffällt.

Sondern das, was normalerweise da ist… und heute einfach fehlt.


Ich sag, wie’s ist:

Feiertage sind nett.

Aber wenn selbst der Algorithmus Pause macht, fühlt es sich an wie eine Party ohne DJ.

Am Anfang entspannt.............

Dann ein bisschen seltsam.


Und irgendwann wartet man nur noch darauf, dass wieder jemand auf „Play“ drückt.

 
 
 

2 Kommentare

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Solveig
vor 13 Stunden
Mit 5 von 5 Sternen bewertet.

Hi! Sent you a private massage. Check your Instagram. By the way...I know you love icecream 😉

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Karin
vor 13 Stunden
Mit 5 von 5 Sternen bewertet.

Ist doch schön , wenn ein Tag mal ruhig verläuft! Hab dich schon lange nicht mehr gesehen. Wohnst du noch in Niederösterreich? LG Karin

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