Und selbst?
- Christoph

- vor 3 Tagen
- 2 Min. Lesezeit

Es gibt diese Frage.
„Wie geht’s dir?“
Und je öfter ich sie höre, desto weniger bin ich mir sicher, ob sie wirklich eine Frage ist.
Heute treffe ich sie. Wir kennen uns von früher.
Beruflich.
Lange her.
So lange, dass man sich beim Wiedersehen kurz freut…
und dann nicht ganz genau weiß, worüber man eigentlich reden soll.
„Und? Wie geht’s dir?“
Ich schaue sie an und sage:
„Und selbst?“
Keine Antwort. Also… von mir.
Und das Interessante:
Es fällt ihr nicht auf. Nicht einmal ein Zucken.
Sie beginnt zu erzählen.
Vom Job. Dass gerade alles „viel“ ist, aber eh gut.
Vom Team. Dass es „herausfordernd“ ist, was meistens heißt, dass es anstrengend ist, aber man es nicht so nennen will.
Von einem Projekt, das „spannend“ ist — was ich mir in Gedanken kurz übersetze mit: dauert länger als geplant.
Dann ein kurzer Sprung ins Private.
Urlaub war schön.
Zu kurz natürlich.
Wetter hätte besser sein können, aber man nimmt ja, was man kriegt.
Ein Satz über Essen.
Ein Satz über Schlaf.
Ein halber Satz über „man wird ja auch nicht jünger“, den sie selbst ein bisschen wegwinkt.
Ich nicke. An den richtigen Stellen.
Oder zumindest an denen, die sich richtig anfühlen.
Und während sie erzählt, merke ich: Ich habe ihre Frage nie beantwortet.
Nicht einmal ansatzweise.
Und trotzdem läuft das Gespräch.
Flüssig sogar.
Vielleicht flüssiger als sonst.
Die Frage war nie für mich gedacht. Sie war nur der Einstieg.
Ich habe ihn genommen… und direkt zurückgespielt.
Effizient, wenn man so will.
Früher hätte ich irgendwann angefangen, etwas nachzuliefern.
Ein bisschen Inhalt über mich.
Damit es sich „ausgeglichen“ anfühlt.
Damit es ein Gespräch ist und kein Monolog.
Heute nicht.
Ich war einfach da.
Freundlich. Aufmerksam. Und erstaunlich unkompliziert mit mir selbst.
Was neu ist. Zumindest in dieser Konsequenz.
Kurz bevor wir uns verabschieden, schaut sie mich an und sagt:
„Wow… bei dir ist aber ganz schön viel los.“
Ich schaue sie an. Kurz. Und trau meinen Ohren nicht:
Spannend.
Ich habe nichts erzählt. Wirklich nichts.
Und trotzdem hat sie ein Bild.
Ich nicke einfach.
„Ja… ist gerade einiges.“
Und in dem Moment passt das sogar.
Weil ich nicht das Gefühl habe, etwas erklären zu müssen.
Oder richtigstellen. Ich gehe weiter. Und nehme mir einen Gedanken mit, den ich eigentlich schon länger habe:
Ich frage nicht oft jemanden, wie es ihm geht.
Aber wenn ich es tue… dann will ich es auch wirklich wissen.
Ich sag, wie’s ist:
Vielleicht bin ich allein schon deshalb anders als viele Gespräche, die ich so führe.



Da bin ich wieder mal. Das Phänomen kenne ich nur zu gut. Sie hören nur sich selbst. Ich hbae mich dran gewühnt in unserer Gesellschaft.