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Wenn die Welt beschließt, eine Eisfläche zu sein


Es gibt Tage, die beginnen völlig harmlos.

So harmlos, dass man ihnen blind vertraut.


Man steht auf.

Gähnt.

Denkt an Kaffee.

An nichts, was auch nur entfernt nach Gefahr aussieht.


Und während man noch glaubt, der Tag sei ein braver, anständiger Wochentag,

hat sich draußen über Nacht etwas verschworen.


Die Welt. Der Boden. Die Physik.


Alles ist Eis.

Nicht dieses romantische, glitzernde Eis aus Winterprospekten.

Sondern dieses hinterhältige, lautlose, unsichtbare Eis,

das nichts ankündigt und alles weiß.


Ein Schritt.

Ein halber Gedanke.

Und schon liege ich da wie eine schlecht gefällte Tanne.


Nicht elegant.

Nicht heroisch.

Mehr so: „Warum eigentlich?“


Ich bleibe kurz liegen.

Man muss dem Moment ja eine Chance geben.

Vielleicht will er mir etwas sagen.

Der Körper meldet:

Nichts gebrochen. Alles noch original. (bis auf das, was eh schon Metall ist)

Der Stolz meldet:

Schwer beleidigt, aber grundsätzlich funktionsfähig.


Der Kopf meldet sich als Letzter und sagt sehr klar:

„Heute spielen wir dieses Spiel nicht.“

Also entscheide ich mich für eine Maßnahme,

die irgendwo zwischen Selbstfürsorge und passivem Widerstand liegt:


Heute wird nicht gegangen.

Heute wird nicht gerutscht.

Heute wird digital existiert.


Ich informiere meine Studentinnen.

Kurz.

Sachlich.

Mit dem unterschwelligen Ton von

„Vertraut mir, das ist besser für alle.“

Alles online.


Und plötzlich geschieht etwas Seltsames.

Der Tag wird…angenehm.


Fast schon unverschämt angenehm.

Ich sitze drinnen.

In Sicherheit.

Auf einem Boden, der mir nichts Böses will.

Kein Mantel.

Keine Schuhe.

Keine dramatischen Balanceakte mit Tasche, Gedanken und Würde.


Stattdessen: Kaffee. Laptop.

Gedanken, die nicht ständig damit beschäftigt sind,

mich vor dem eigenen Sturz zu bewahren.


Ich arbeite. Konzentriert. Effizient.

Fast verdächtig effizient.

Ich beginne zu vermuten:

Vielleicht war draußen sein ohnehin überschätzt.


Mittags wage ich mich kurz vor die Tür.

Nur aus Neugier. (und ein Bild mit der Kamera, ich kann nicht anders 😂)

Wie ein Zoologe, der prüfen möchte,

ob das Raubtier noch da ist.


Es ist da.

Der Gehsteig glänzt mich an wie ein Versprechen,

das garantiert nicht eingehalten wird.

Ich nicke ihm höflich zu.

Er bleibt kalt.

Ich gehe wieder rein.


Was mich an solchen Tagen amüsiert, ist nicht der Sturz.

Es ist die Erkenntnis, wie viele unserer täglichen Anstrengungen reine Logistik sind.


Anziehen. Rausgehen. Aufpassen. Nicht sterben.


Heute fällt das alles weg.

Und plötzlich hat der Kopf Kapazität

für wichtigere Dinge.


Zum Beispiel für absurde Gedanken wie:

„Vielleicht sollten wir den Winter einfach aussitzen.“

Am Abend bin ich weder genervt noch erschöpft.

Ich bin fast gut gelaunt.

Nicht euphorisch.

Aber so ein leises, selbstzufriedenes Gutgelaunt.


Die Sorte, die sagt:

„Na schau, ging ja auch so.“

Ich sag wie’s ist:

Manche Tage funktionieren besser, wenn man sie einfach nicht betritt. ❄️😌

..und am Abend Risotto macht...😉

 
 
 

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