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es ist der 23. 12. 2025 so gegen 21 Uhr


Ich habe mich gerade hingesetzt.

Jetzt.

Ich schaue nicht auf die Uhr, denke mir einfach: Es ist so ungefähr 21 Uhr.


So viele Themen im Kopf.

So viele halbfertige Gedanken, fast schon ausformuliert, geschniegelt, bereit für den großen Auftritt – und trotzdem: keines davon will heute raus. Keines drängt sich vor. Keines sagt: Mich. Schreib mich.


Und genau das ist gerade mein Gedanke.

Ich denk ich stehe kurz auf. Gehe vor die Tür.

Nur frische Luft. Keine große Flucht, kein Perspektivwechsel, kein Spaziergang mit Erkenntnisgarantie. Einfach ein Schritt hinaus. so los geht´s...


So.

Jetzt bin ich wieder da. Ich habe auf die Uhr geschaut. 21:35.


Und irgendwie ist das tröstlich.

Nicht, weil jetzt plötzlich alles klar wäre – sondern weil es okay ist, dass es das nicht ist. Es gibt diese Abende, an denen der Kopf voll ist, aber die Worte sich weigern, in Formation zu gehen. Als hätten sie beschlossen, heute keinen Dienst zu machen. Betriebsversammlung. Stillstreik. Gedanklicher Feiertag.


Früher hätte mich das nervös gemacht.

Heute nicht mehr so.


Früher dachte ich: Wenn nichts kommt, stimmt etwas nicht.

Heute denke ich: Vielleicht stimmt gerade deshalb alles.


Nicht jeder Tag braucht eine Pointe.

Nicht jeder Abend ein Fazit.

Nicht jeder Gedanke muss sofort aufgeschrieben, sortiert, bewertet oder veröffentlicht werden.


Manchmal wollen Gedanken einfach nur da sein.

Wie Gäste, die nicht reden, aber trotzdem bleiben.

Man setzt ihnen nichts vor, man unterhält sie nicht – man lässt sie einfach sitzen.


Und vielleicht ist genau das die Kunst:

Nicht immer liefern zu müssen.

Nicht alles sofort einordnen zu wollen.

Nicht jedes innere Rauschen gleich in Text zu verwandeln.


Es gibt Tage, da will man erzählen.

Und es gibt Abende, da will man nur merken, dass man etwas könnte – es aber nicht muss.


Vielleicht ist das sogar ein Luxus.

Nicht der laute, protzige.

Sondern der leise. Der unauffällige.

Der, bei dem man niemandem erklären muss, warum heute nichts kommt – nicht einmal sich selbst.


Na gut.

Ich drücke jetzt am 23.12.2025 auf „Veröffentlichen“.

Dann steht er halt da draußen –

der Text, der keiner sein wollte.

Oder vielleicht doch.


Und ich?

Vielleicht schaue ich noch einen Film.

Vielleicht gehe ich nochmal kurz raus.

Vielleicht auch beides nicht.


Ich sag, wie’s ist.

Man muss ja nicht immer wissen,

was als Nächstes kommt.



 
 
 

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