Ich habe heute etwas gehört...
- Christoph

- 4. Jan.
- 2 Min. Lesezeit

Heute hat ein Engländer etwas zu mir gesagt,
das mir zum Schreiben jetzt nicht mehr aus dem Kopf ging.
Nicht laut.
Eher beiläufig.
So ein Satz, der klingt, als hätte er ihn nicht zum ersten Mal gesagt – sondern schon oft gedacht.
Ich bin ihm zufällig begegnet.
In einer dieser Alltagssituationen, in denen eigentlich nichts passiert. Und dann doch etwas hängen bleibt. Ich stand in einem Geschäft, wartete, hatte Zeit.
Ein paar Schritte vor mir ein Mann, der sehr genau wusste, was er wollte.
Und vor allem, warum für ihn Dinge anders laufen sollten als für alle anderen.
Er erklärte einer Angestellten sehr ausführlich, warum er jetzt eine Ausnahme sei.
Warum Regeln grundsätzlich sinnvoll sind – aber halt nicht immer.
Warum man das „doch bitte verstehen müsse“.
Die Angestellte blieb ruhig. Freundlich. Professionell.
Sie erklärte es noch einmal.
Anders formuliert.
Langsamer.
Er hörte nicht wirklich zu.
Er wiederholte einfach, was er schon gesagt hatte.
Nicht lauter.
Aber bestimmter.
So, als würde Wiederholung irgendwann automatisch recht geben.
Ich beobachtete das Ganze mehr aus Neugier als aus Ärger.
Man lernt ja viel, wenn man nichts sagt.
Neben mir stand ein älterer Herr.
Britischer Akzent, dezent, unaufgeregt.
Er sah die Szene, sah die Wiederholung, sah die höfliche Geduld – und lächelte kurz.
Dann sagte er, fast schon für sich selbst:
„Accept people as they are. But place them where they belong.“
Kein Kommentar mehr.
Keine Erklärung.
Kein Nachsatz.
Und genau deshalb traf es.
Ich habe danach viel über diesen Satz nachgedacht.
Nicht über den ersten Teil – der klingt ja fast schon selbstverständlich.
Menschen akzeptieren, wie sie sind.
Mit all ihren Eigenheiten, Macken, Umwegen.
Der zweite Teil ist der spannendere.
Place them where they belong.
Nicht: Verändere sie.
Nicht: Erziehe sie.
Nicht: Erkläre dich kaputt.
Sondern: Platziere sie.
Und plötzlich ist das kein weicher Satz mehr, sondern ein sehr klarer.
Denn Akzeptanz heißt nicht automatisch Nähe.
Akzeptanz heißt nicht, dass jemand Zugang zu allem bekommt.
Und schon gar nicht, dass man alles aushalten muss, nur weil man verstanden hat, warum jemand so ist.
Ich kann akzeptieren, dass jemand laut ist.
Aber ich muss ihn nicht in mein Wohnzimmer setzen.
Ich kann akzeptieren, dass jemand Grenzen nicht spürt.
Aber ich muss ihm keine eigenen ausleihen.
Ich kann akzeptieren, dass jemand emotional chaotisch ist.
Aber ich muss mich nicht zum Ordnungssystem machen.
Je länger ich darüber nachdachte, desto ehrlicher wurde dieser Satz.
Er nimmt einem nämlich die Ausrede.
Die Ausrede, man sei „zu hart“.
Oder „zu empfindlich“.
Oder „nicht großzügig genug“.
Nein.
Man ist einfach klarer.
Menschen dürfen sein, wie sie sind.
Aber nicht jeder gehört überallhin.
Nicht jeder gehört in die erste Reihe.
Nicht jeder an den Tisch.
Nicht jeder ins Vertrauen.
Nicht jeder in die Nähe.
Und das ist kein Urteil.
Das ist Geografie.
Vielleicht war es genau das, was mich an diesem Satz so getroffen hat.
Er ist nicht böse.
Nicht moralisch.
Nicht strafend.
Er ist ordnend.
Wie ein Regal, in dem man endlich aufhört, alles wahllos reinzustopfen, nur weil es irgendwann mal dazugepasst hat.
Ich weiß nicht, ob der alte Herr wusste, was er da ausgelöst hat.
Wahrscheinlich nicht.
Engländer sagen sowas und gehen dann weiter.
Aber manchmal reicht ein Satz.
Zur richtigen Zeit.
Am richtigen Ort.
Ich sag, wie’s ist:
Akzeptanz ohne Platzierung ist Selbstverrat.



Mir hat mal jemand gesagt: "Nimm die Menschen wie sie sind. Es gibt keine Anderen". Der 2. Teil gefällt mir