Ich hoffe, ich irre mich.
- Christoph

- 25. Juli
- 2 Min. Lesezeit

Kennst du diese Menschen, die nach zehn Minuten Film plötzlich sagen:
„Der Typ war’s.“
Und zwei Stunden später sitzt du da, halb traumatisiert mit Popcornresten am Pullover, und musst dir eingestehen:
„Verdammt. Leider hatte er recht.“
Ich bin leider genau so. Nicht nur bei Filmen übrigens.
Und nein, bevor das jetzt komplett falsch klingt: Ich halte mich weder für besonders spirituell noch glaube ich an Wahrsagerinnen. Tarotkarten lege ich übrigens auch keine. Obwohl … ein eigenes Kartendeck mit dem Titel „Christoph's Prediction“ hätte schon was. 🤔😂
Die Wahrscheinlichkeit, dass ich damit reich werde, ist allerdings ungefähr gleich hoch wie die, dass ich an Wahrsagerei glaube. Zumindest dachte ich das, bis jene Dame im Luna Park in Italien meiner Mutter – in meinem Beisein – mit ernster Miene prophezeite:
„Für Ihren Sohn sehe ich etwas ganz Großes.“
Bis heute bin ich nicht sicher, ob sie damit überhaupt recht hatte. Wenn sie eines nicht vorhergesehen hat, dann meine rekordverdächtige Sammlung an Fetzis am Handgelenk. Darauf bin ich ehrlich gesagt fast stolzer als auf jeden Eintrag im Guinness-Buch.
Ehrlich gesagt habe ich überhaupt keine Ahnung, woran das liegt.
Das Skurrile ist nur:
Mein Gehirn zeichnet manchmal Entwicklungen, lange bevor sie tatsächlich sichtbar werden.
Nicht dramatisch.
Nicht laut.
Eher ganz ruhig.
Wie dieses kurze Gefühl während eines Films, wenn plötzlich irgendeine völlig unscheinbare Szene auftaucht und du sofort denkst:
„Die wird später noch wichtig.“
Und genau so fühlt sich das manchmal im echten Leben an. Nicht bei mir selbst. Das ist ja das Absurde. Nicht meine Entscheidungen. Nicht mein Chaos. Ich bin oft nicht einmal beteiligt.
Deshalb fällt für mich auch die naheliegendste Erklärung weg. Ich kann nichts unbewusst in diese Richtung lenken, wenn ich mit der ganzen Geschichte gar nichts zu tun habe.
Und trotzdem taucht irgendwann dieser Gedanke auf:
„Das wird sich genau in diese Richtung entwickeln.“
Ganz unspektakulär. Nicht wie eine Eingebung. Eher wie ein Bild, das der Kopf plötzlich malt, obwohl eigentlich noch gar nichts eindeutig zu sehen ist. So seltsam, dass du es niemandem erzählen kannst. Es würde dir ohnehin keiner glauben.
Und Wochen oder Monate später erzählt dir jemand beiläufig, wie sich die ganze Sache entwickelt hat… und du sitzt plötzlich da und merkst, dass das Ergebnis erschreckend ähnlich aussieht wie dieses Bild, das dein Kopf lange davor schon gezeichnet hat.
Und genau das irritiert mich manchmal.
Nicht, weil ich glaube, dass ich irgendwelche besonderen Fähigkeiten hätte.
Vielleicht beobachte ich einfach genauer.
Vielleicht bilde ich mir manches auch nur ein.
Vielleicht ist es auch einfach Zufall.
Ich weiß es nicht.
Ich weiß nur: Manche Gedanken verschwinden einfach nicht mehr, obwohl eigentlich noch gar nichts passiert ist.Und irgendwann erzählt dir jemand, wie alles ausgegangen ist und du denkst dir innerlich nur:
„Interessant. Genau dort habe ich das irgendwie hinlaufen sehen.“
Ach ja … Es geht dabei übrigens nie um Weltpolitik, den Untergang der Menschheit oder irgendwelche Börsenkurse. Eher einfach um das Leben. Menschen. Situationen. Dieses seltsame, langsame Entwickeln von Dingen.
Ich sag, wie's ist:
Mein Gehirn macht mich manchmal fertig. Vor allem dann, wenn das Leben Monate später genau dort ankommt, wo es mein Kopf längst hingeschickt hat.



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