Ich meine, also bitte
- Christoph

- 2. Jan.
- 3 Min. Lesezeit

Ich mein, ganz ehrlich.
Jetzt kommt wieder dieser geflügelte Satz …
„Wer mich kennt, der weiß …“
Also:
Ich war rein zufällig – wirklich rein zufällig – in dem Kaufhaus auf der Kärntnerstraße, das den Spitznamen der wohl berühmtesten Kirche Wiens trägt.
Nicht weit davon entfernt gelegen, nona.
Erdgeschoss.
Lederwarenabteilung.
Zufall.
Und dann sehe ich sie. DA WAREN SIE SCHON WIEDER!
Die Wallets.
Meine Wallets.
Meine Marke.
my walit.
Allein das ist schon unüblich für mich. Über Marken schreiben.
Ich kaufe mir ja nicht einmal ein T-Shirt, auf dem ein Logo größer ist als der Stoff drumherum.
Und jetzt stehe ich da und starre Geldbörsen an, als hätten sie mich persönlich gerufen.
Und hier kommt er schon wieder, dieser Satz:
Wer mich kennt, der weiß …
… dass ich sicher keine Werbung für irgendwen mache, der mir nichts dafür zahlt.😉
Aber my walit ist offenbar eine Ausnahme.
Man muss im Leben flexibel bleiben. Auch bei Prinzipien.
Und dann kommt eines der vier großen P’s aus dem Marketing um die Ecke.
Price.
Ich blinzle.
Ich blinzle nochmal.
Und dann noch einmal, nur zur Sicherheit.
–35 % auf alles.
Bitte was?
–35 %?
Auf meine Lieblingsgeldbörsen?
Und wer mich kennt, der weiß –
(nein, ich bin nicht betrunken, das ist nur konsequent) –
von manchen Dingen braucht man einfach mehr als ein Stück.
Und wer glaubt, nur weil man jahrzehntelang im Marketing arbeitet, sei man immun gegen Prozente, der irrt gewaltig.
Wirklich gewaltig.
Ab hier beginnt das Gedankenkino.
Mit Popcorn.
Und Surround-Sound.
Und dann meldet sich eines meiner Lieblingswörter.
Dieses Wort, das ich verwende, wenn etwas zwar verlockend, aber eigentlich kompletter Blödsinn ist –
nur höflicher formuliert.
„Unsinn!“
Freundlich gedacht.
Fast liebevoll gesprochen.
Mit dem kleinen Nachsatz in meinem Kopf.
Mit meinem Spitznamen.
Unsinn, kleiner Malloth.
Das machst du nicht.
Und wie aus dem Zauberkopf – oder eher aus der Trickkiste meines eigenen Unterbewusstseins – kommt dieser Satz:
Man soll sich auch selbst einmal eine kleine Freude bereiten.
Klein. Sehr klein. In Leder.
Mit Kartenfächern. Marketing 0.1. Direkt ins Herz.
Und trotzdem stehe ich plötzlich vor der Verkäuferin.
Freundlich. Bemüht. Ein bisschen zu perfekt geschminkt für einen frühen Abend auf der Kärntnerstraße.
„Entschuldigen Sie bitte…“, sage ich,
und höre mich selbst reden,
während mein Kopf noch versucht, rechtzeitig auszusteigen.
Es geht um Modelle.
Farben.
Querformat oder Hochformat.
Und um diese ominösen minus fünfunddreißig Prozent, die irgendwie größer wirken, wenn man sie laut ausspricht.
Die Verkäuferin nickt sehr viel.
Ich auch.
Wir nicken uns gegenseitig in eine Situation hinein, aus der keiner von uns elegant wieder rauskommt.
Dann sagt sie etwas.
Ich sage etwas zurück.
Sie lacht.
Ich auch – aus Höflichkeit und aus leiser Überforderung.
Plötzlich steht da noch jemand.
Etwas aufrechter.
Mit diesem Blick, der sagt: Ich bin hier schon länger zuständig als Sie beide zusammen.
Die Oberverkäuferin.
Oder wie immer man das nennt.
Sie hört zu.
Mischt sich ein.
Stellt eine Frage, die alles komplizierter macht.
Und lächelt dabei so professionell, dass man nicht weiß, ob man gerade beraten wird
oder schon Teil einer internen Schulung ist.
Das Gespräch nimmt eine Richtung,
die ich nicht mehr ganz nachvollziehen kann.
Begriffe fallen.
Regeln.
Ausnahmen.
Vielleicht auch interne Absprachen.
Ich merke nur:
Das hier ist jetzt größer als ich.
Und definitiv größer als eine Geldbörse.
Irgendwann denke ich mir:
Das ist wohl eine andere Geschichte.
Vielleicht wird sie ja mal erzählt.
Oder aufgeschrieben.
Hier im Blog.
Ich sag, wie’s ist.
Unsinn, kleiner Malloth.
Großer Unsinn.



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