James Bond ist eine Frau. Und sie hat einen Chip.
- Christoph

- 16. Jan.
- 3 Min. Lesezeit

Du glaubst es nicht.
Die Technik macht dich (mich) irre.
Früher hattest du einen Schlüssel.
Für die jüngeren Menschen: Das ist dieses kleine metallische Ding, das man in ein Loch steckt, dreht – und plötzlich ist man drin.
Keine App.
Kein Update.
Kein moralisches Urteil über deine Existenz.
Heute hat man einen Chip.
Einen Chip, der alles kann.
Eingangstür. Garage. Weitere Türen im Haus.
Universal. Fast schon göttlich.
Dieser Chip sperrt dein Leben auf.
Oder – und das ist der Punkt, an dem es philosophisch wird –
er sperrt dich aus deinem eigenen Leben aus.
So geschehen heute.
Um fünf Uhr früh. (frag mich nicht warum die Uhrzeit 😉)
Mitten im Jänner.
In dieser speziellen Kälte, die nicht nur die Finger einfriert, sondern auch die Würde.
Ich wollte kurz raus. Dringend.
Raus geht immer. Dafür brauchst du keinen Chip.
Das ist Freiheit. Oder eine sehr gut getarnte Falle.
Denn kurze Zeit später wollte ich wieder rein.
Und da sagte das Haus – nicht laut, aber bestimmt:
„Ich kenne dich nicht.
Wer bist du?
Was willst du?
Und warum überhaupt?“
Du stehst also da. Vor deiner eigenen Tür.
Im Dunkeln. Im Jänner.
Und während dein inneres Vokabular bereits eine erstaunliche Bandbreite an Schimpfwörtern abruft, fällt dir nur ein einziger Name ein:
Wilma.
Wilma von den Feuersteins.
Und plötzlich war ich nicht mehr Christoph, sondern Fred.
Barfuß im übertragenen Sinn.
Leicht verwirrt.
Technisch überholt.
Also: Was tun?
Dann erinnerte ich mich.
Ich habe ja noch einen Hintereingang.
Der Chip spinnt dort manchmal.
Vielleicht spinnt er heute früh für mich.
Also über den Weg.
Der durch die Witterung eher einem professionell präparierten Eislaufplatz glich.
Ich hätte mir Eislaufschuhe gewünscht. Die lagen natürlich drinnen.
Hinter der Tür. Die mich nicht kennt.
Und tatsächlich:
Der Hintereingang hatte Erbarmen. Er ließ mich rein.
Kurz. Denn innen ist natürlich auch alles mit Chip gesichert.
Also hinsetzen. Warten.
Auf wen? Keine Ahnung.
Es ist mittlerweile halb sieben.
Man könnte jemanden anrufen.
Wenn man Telefonnummern auswendig könnte.
Oder wenn das Handy nicht – richtig – auch drinnen wäre.
Irre.
Und dann kam sie.
Sie hat auch einen Chip.
Nein.
Falsch.
Sie hat einen Chip. So einen, von dem ich immer sage:
Diese Menschen haben die License to kill.
Die Frau-Bond des Hauses. Nicht wegen der Technik.
Sondern wegen der Art.
Wir haben privat noch kaum gesprochen.
Kein Small Talk. Kein Persönliches.
Eher zufällig über Marketing, Unternehmensführung, Verantwortung.
Zwei Profis.
Sachlich.
Klar.
Und trotzdem – oder vielleicht genau deshalb – merkt man es sofort.
Zumindest ich spüre das. Sie ist eine von den Guten.
Was das bei mir heißt, weiß ich selbst nicht ganz.
Aber es ist ein Gefühl, das nicht irrt.
Sie hat gelächelt. Unaufgeregt. Kein Drama. Und Mitleid eher als Stilmittel der Sprache. 😉
Und mein kompletter innerer Ärger ist in einer Sekunde in sich zusammengefallen wie ein Kartenhaus im Durchzug.
Sie sagte nur:
„Ich kümmere mich drum, jetzt.“
Fünf Minuten später hatte ich sie wieder. Meine Lizenz.
Nicht die von James Bond. Keine zum Töten.
Aber die viel wichtigere:
Die Lizenz, alle Räume zu betreten, die mir wichtig sind.
Warum der Chip nicht funktioniert hat?
Sie weiß es.
Und das, das alles nicht mein Fehler war, wusste ich schon vorher...
Sie hatte auch eine Erklärung.
Die ist aber nicht wesentlich.
Wesentlich ist etwas anderes:
Dass es Menschen gibt, die mit Haltung statt Technik, mit Ruhe statt Macht und mit einem Satz statt zehn Ausreden Situationen auflösen.
Nicht, weil sie müssen. Sondern weil sie können und wollen!
Ich sag, wie’s ist:
Produkte sperren Türen auf. Menschen sperren Welten.
Ich danke dir Frau B, wie Bond, die in Wirklichkeit Frau A. ist 😉



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