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Kannst nichts machen.


Ich hatte unlängst eine längere Autofahrt. Mit an Bord eine Kollegin. Ich mag die Geschichten, die sie erzählt – über Job, Kommunikation, ihre Familie all das, was zur Arbeit und zu ihr gehört. Nach einer längeren Atempause, jeder in Gedanken versunken, fragt sie plötzlich:

„Sag mal, kennst du das auch …?“

Ich horche auf, lehne mich zurück, drehe das Lenkrad ein kleines Stück und höre einfach zu. Irgendwie spüre ich sofort, dass sie nicht nach einer Lösung sucht, sondern dass sie die Frage gerade so formuliert, weil sie selbst über etwas gestolpert ist – über Menschen in ihrem Umfeld, die nicht wirklich leben, sondern sich nur von Umständen treiben lassen.


Dann fängt sie an ihre Gedanken laut auszusprechen.

"Man sieht es in ihren Gesichtern, wenn sie lächeln, aber das Lächeln zu langsam ist.

Man hört es in ihren Worten, wenn sie sagen: „Ich will das so.“ – aber die Betonung verrät, dass sie eher wollen wollen.


Sie verteidigen alles wie eine Festung,

nur dass die Mauern nicht schützen – sie halten fest.

Und wehe, man fragt zu direkt.

Dann wird man schnell zum Feindbild,

ein Störgeräusch in einer sorgsam arrangierten Selbstlüge."


Dan sagt sie: "Ich glaube, viele wissen tief drinnen, dass sie sich haben verschlucken lassen.

Aber sie nennen es lieber „Zufriedenheit“ oder „Verlässlichkeit“.

Klingt ja auch besser als „Verlust des selbst“ irgendwie."


"Und manchmal fragt man sich, was passiert, wenn solche Menschen eines Morgens wirklich aufwachen – wenn sie plötzlich sehen, dass sie schon lange in einem Film mitspielen,

für den sie nie das Drehbuch gelesen haben und merken erst zu spät, dass sie längst nicht mehr schmecken, wer sie eigentlich sind."


Ich habe dann nicht tiefer nachgefragt um wen es eigentlich ging - ich denke sie wollte nur was loswerden was sie beschäftigt. Und sie hat sich die Antwort dann ohnedies selbst gegeben. Sie kann gar nichts tun, nur da sein – bis die Person aufwacht – und das ist nur eine Frage der Zeit.


Und ich glaube sie hat dann gesagt wie´s ist.

Sie bleibt lieber beim Independent-Kino.

Da wackelt manchmal das Bild,

aber wenigstens ist’s echt.

Und so sehe ich das auch.

 
 
 

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