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Heute ist kein schlechter Tag. Heute ist...


Es gibt diese Tage.

Da wacht man auf und denkt sich nichts. Kein Drama. Kein Ziehen in der Brust. Kein Vorzeichen. Der Tag beginnt harmlos. Zu harmlos.


Und genau das ist das Problem.

Denn dann passiert – nichts Besonderes.

Wirklich nichts.

Keine richtige Katastrophe.

Kein Streit.

Kein Ereignis, das man zitieren könnte.


Nur lauter Kleinigkeiten.

So banal, dass man sie niemandem erzählen dürfte, ohne sich selbst dabei zu schämen.

Diese Sorte Alltag, bei der andere vielleicht sagen würden:

„Jetzt stell dich nicht so an.“

Tue ich nicht.

Ich explodiere ja nicht.

Ich sammle ohne das ich es will.


Es ist diese Summe der Einzelteile.

Hundert kleine Reibungen.

Nichts tut weh – aber alles nervt.


Und dann fängt der Kopf an, großzügig zu werden.

Er wirft Dinge dazu, die heute absolut nichts verloren haben.

Gar nichts.


Alte Gespräche.

Halbfertige Gedanken.

Die Vergangenheit.

Sätze, die nie ausgesprochen wurden, aber offenbar noch immer Miete zahlen dürfen.


Normalerweise habe ich dafür Strategien.

Bewährte Methoden.

Erprobte Ablenkungen.

Ich bin da eigentlich gut und es passieret ja auch selten.


Aber heute greift nichts.

Kein Ritual.

Kein Trick.

Keine Selbstüberlistung.


Je länger der Tag dauert, desto klarer wird dieses Gefühl:

Ich bin nicht erschöpft.

Ich bin genervt.


Und zwar auf diese kalte, saubere Art.

Ohne Drama.

Mit sehr viel innerem Augenrollen.


Die Welt läuft weiter, völlig korrekt.

Alles funktioniert.

Ich funktioniere auch.


Aber innerlich ist der Schalter auf „Jetzt reicht’s“.

Nicht laut.

Nicht endgültig.

Aber eindeutig.


Vielleicht sind das genau die Tage, die nichts wollen.

Keine Analyse.

Keine Erkenntnis.

Kein Wachstum.


Vielleicht muss man sie nicht lösen, sondern einfach durchstehen, ohne ihnen Bedeutung zu geben. Nicht jeder miese Tag ist gleich eine Krise.

Manche sind einfach ein kollektives „Nein“ des Nervensystems.


Und der Ausblick?

Der ist nicht motivierend.

Der ist pragmatisch.


Morgen ist ein neuer Tag. (die Aussage mag ich übrigens nicht😉)

Und wenn nicht, dann übermorgen.

Ich bin nicht zerbrochen.

Ich bin nur gerade maximal unbeeindruckt.


Ich sag wie’s ist:

Manchmal ist das Gesündeste, was man tun kann,

dem Tag innerlich den Mittelfinger zu zeigen –

und trotzdem weiterzugehen.

 
 
 

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