Bevor das Licht ausgeht.
- Christoph

- 21. Jan.
- 2 Min. Lesezeit

Es war keine große Begegnung. Eigentlich war es gar keine richtige.
Eher so etwas wie eine Pause, die zufällig ein Gesicht hatte.
Diese Uhrzeit, in der der Tag schon hinter einem liegt, aber der Abend noch nicht weiß, was er werden will. Zu spät für To-do-Listen. Zu früh für Schlaf. Der Moment, in dem man sich selbst langsam wieder einholt.
Ich stand da.
Nicht wartend.
Nicht suchend.
Einfach da.
Und dann war da dieser Mensch.
Keine dramatische Szene.
Kein „Wir müssen reden“.
Nicht einmal ein richtiges Gespräch.
Zwei Sätze vielleicht. Drei, wenn man großzügig zählt.
Aber irgendetwas daran war… weich.
Man merkt es sofort, wenn jemand nichts will.
Nicht überzeugen. Nicht beeindrucken.
Nicht verstanden werden um jeden Preis.
Diese seltene Sorte Mensch, die einem nicht das Gefühl gibt, man müsse jetzt funktionieren. Oder reagieren. Oder irgendetwas beitragen, damit die Situation „passt“.
Es wurde über etwas völlig Nebensächliches gesprochen.
So nebensächlich, dass es fast lächerlich wäre, es zu wiederholen.
Und genau darin lag die Magie.
Keine Geschichte mit Pointe.
Kein Gedanke, der sich festkrallt.
Nichts, was man mit nach Hause nimmt – außer Ruhe.
Ich habe gemerkt, wie meine Schultern ein paar Millimeter tiefer gerutscht sind.
Unauffällig. Aber spürbar.
So als würde der Körper sagen:
Ah. Jetzt darf ich auch kurz Pause machen.
Es gab kein großes Lachen.
Nur dieses leise Schmunzeln, das eher innen passiert als im Gesicht.
Kein Lächeln für jemanden.
Sondern eines für den Moment.
Manchmal sind es genau diese Begegnungen, die bleiben, obwohl sie eigentlich sofort wieder verschwinden. Wie warme Luft, die kurz durch einen Raum zieht und alles ein wenig verändert – ohne etwas umzustellen.
Kein Versprechen.
Kein Austausch von irgendetwas.
Nicht einmal ein „Bis bald“.
Und trotzdem geht man danach anders.
Ein bisschen langsamer. Ein bisschen leiser.
Vielleicht liegt es daran, dass wir tagsüber so viel reden.
So viel erklären. So viel einordnen.
Und am Abend eigentlich nur noch eines brauchen:
Dass nichts mehr von uns will.
Keine Meinung.
Keine Haltung.
Keine Geschichte.
Nur sein.
Und ich selbst?
Was mache ich jetzt?
Ich drehe das Licht ab.
Denn das ist das, was ich seit mehr als zwei Jahren mache.
Ich liege da. Denke ganz kurz darüber nach, was an diesem Tag gut war.
Zum Beispiel das hier. Diese Begegnung. Dieser Text.
Ich sag wie´s ist:
Mehr braucht es heute nicht.
Licht aus. Gute Nacht da draußen.🤗



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