Manche Gespräche beginnen nicht mit Worten
- Christoph

- 25. Dez. 2025
- 2 Min. Lesezeit

Heute steige ich in einen Aufzug.
Drinnen schon eine junge Dame, irgendwas Mitte dreißig. Festlich gekleidet, so ein Look zwischen „Ich habe heute noch etwas vor“ und „Das ist kein Zufall“. In der Hand eine Tasche, aus der Geschenke herausblitzen – dezent, aber eindeutig.
Ich sage höflich „Hallo“, drehe mich Richtung Aufzugtür. Zehn Stockwerke. Überschaubar. Smalltalk-freies Gebiet, denke ich mir.
Dann, von hinten, freundlich und ganz selbstverständlich:
„Frohe Weihnachten übrigens.“
Und bevor mein Kopf irgendeine konventionelle Antwort basteln kann, passiert etwas anderes.
Ich habe es im wahrsten Sinn des Wortes schon gerochen.
„Merry Christmas“, sage ich, „Chanel Nummer 5.“
Kurze Pause.
Dann sie, überrascht, aber lachend:
„Das riechen Sie?“
Ja.
Ich rieche das.
Nicht, weil ich irgendeinen Bezug dazu hätte. Nicht, weil ich es sammle oder benutze oder nostalgisch verkläre. Sondern einfach, weil es einer dieser Düfte ist, die sich nicht verstecken. Man hört oft: ‚Das tragen nur Frauen, die das eigentlich gar nicht tragen.‘
Stimmt wahrscheinlich.
Aber wenn es da ist, ist es da.
Sie sagt:
„Ich verwende es eh nicht so oft.“
Ich lache.
„Natürlich nicht.“
Das ist einer dieser Sätze, die gleichzeitig alles und nichts sagen – und genau deshalb funktionieren.
Dann blickt sie auf, schnuppert dezent: „Sie haben ja auch einen Duft an sich. Ich nehme an, Cool Water ist es nicht. Ich tippe auf Sauvage von Dior.“
„Volltreffer!“, sage ich.
Sie lacht, ein Funkeln in den Augen: „Sind Sie ein Johnny Depp-Typ?“
„Ja, vielleicht wirke ich manchmal so verwirrt“, antworte ich, und wir lachen beide.
Wir erreichen ihr Stockwerk. Sie sammelt ihre Tasche, wir verabschieden uns locker:
Sie sagt: „Einen schönen Tag, Johnny!“
Ich antworte: „Na dann, Stilikone, all the best, was immer du vorhast.“
Als sich die Aufzugtüren schließen, sagt sie noch: "Tamara heiße ich"
Bevor ich noch erwidern kann ist die Türe zu.
Und während ich weiter nach oben fahre, denke ich mir:
Manche Gespräche brauchen keine Themen. Nur Wahrnehmung.
Ich riech wie´s ist:
Einfach ein bisschen Mut, das auszusprechen, was ohnehin schon in der Luft liegt.



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