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Marketing für die Seele.


Heute Morgen bin ich aufgestanden und noch bevor mein Kopf an Zähneputzen, Duschen oder den ersten Kaffee gedacht hat – Termine gab es heute zum Glück keine – musste ich plötzlich an eine ganz bestimmte Situation in meinem Leben denken.


Keine Ahnung, woher sie kam. Keine Ahnung, warum ausgerechnet heute.

Sie war einfach da.


Gedanken haben manchmal einen bemerkenswert schlechten Sinn für Timing. Sie kommen grundsätzlich dann, wenn man sie weder bestellt noch Zeit für sie hat. Während der Kaffee durchlief, begann ich darüber nachzudenken. Nicht über diese Situation. Die bleibt auch heute meine. Sondern über etwas ganz anderes.


Wie erinnert sich mein Kopf eigentlich?


Eigentlich eine ziemlich unfaire Frage. Mein Kopf war zu diesem Zeitpunkt nämlich der Einzige im Raum, der die Antwort bereits kannte. Nicht falsch verstehen. Ich leide nicht unter Gedächtnisverlust. Ich erinnere mich an Hotels, an Urlaube, an Wohnungen, an ehemalige Arbeitsplätze und sogar daran, wo ich das Auto geparkt habe. Zumindest meistens.


Aber offenbar setzt mein Kopf andere Prioritäten als ich.


Während ich so über meinen Kaffee nachdachte, fiel mir plötzlich zum Beispiel ein Fotoshooting ein (das war übrigens nicht die ursprüngliche Situation an die ich gedacht habe), das zwei Wochen gedauert hat. Die meisten würden jetzt wahrscheinlich vermuten, dass mir von diesem Fotoshooting zuerst die fotografierten Damen in Erinnerung geblieben sind. Wäre als Mann ja auch naheliegend.


Genau das ist aber nicht passiert.

Ich erinnere mich auch nicht an die Kleidung, bedingt an das Set und nicht an die unzähligen Bilder, die wir damals gemacht haben. Mein Kopf erinnert sich an einen Abend.


Daran, wie ich eine der Damen nach längerem Zureden davon überzeugen konnte, ihre Kalorientabelle für ein paar Stunden zu ignorieren und stattdessen mit dem Team einen Burger essen zu gehen.


Der Deal war einfach.

Heute Burger.

Morgen Frühsport.

Zumindest war das so vereinbart.


Marketing würde das wahrscheinlich als Win-win-Situation verkaufen. Rückblickend bin ich mir nicht sicher, ob wir alle dieselbe Definition von "Win" hatten.


Ob ich am nächsten Morgen tatsächlich geschniegelt im Fitnessraum gestanden bin?

Keine Ahnung. Diesen Teil der Geschichte hat mein Kopf offenbar deutlich schlechter archiviert.😉


Was er aber bis heute gespeichert hat, ist die Freude in ihrem Gesicht beim Anblick des Burgers. Und genau da wurde mein Kaffee plötzlich nebensächlich. Warum bleibt von zwei Wochen Fotoshooting ausgerechnet dieser Moment übrig? Es war nur ein netter Abend mit dem Team und die lustigen Fotos mit Polaroid.


Warum erinnert sich mein Kopf bei einem Urlaub manchmal an einen einzigen Blick beim Frühstück statt an das Hotel? Warum bleibt von einer Arbeitsstelle oft ein Satz hängen und nicht das Projekt, das Monate gedauert hat?


Vielleicht ist genau das der Grund, warum Erinnerungen keine Rangliste brauchen. Mein Kopf erstellt ohnehin seine eigene. Und über deren Bewertung diskutiert er nicht einmal mit mir.


Vielleicht arbeitet mein Kopf wie im Marketing.

Von einer Kampagne entstehen unzählige Entwürfe. Stundenlang wird fotografiert, diskutiert, verworfen und optimiert. Am Ende landet genau ein Bild auf dem Plakat. Nicht weil die anderen schlecht waren. Sondern weil dieses eine alles erzählt.


Vielleicht macht mein Kopf genau das. Er speichert nicht ganze Lebensabschnitte. Er sucht sich einen einzigen Moment aus, der stellvertretend für alles andere stehen darf. Je länger ich heute Morgen darüber nachdachte, desto emotionaler wurden meine eigenen Gedanken.


Irgendwann habe ich beschlossen, sie auf später zu verschieben.

Oder besser gesagt: Mein Kopf hat beschlossen, sie auf später zu verschieben.


Wobei ...

... wenn ich ehrlich bin, lag das vielleicht auch daran, dass plötzlich ein Name auf meinem Handydisplay aufgeleuchtet ist. Einer, den ich um halb acht in der Früh, sagen wir einmal so ... nicht unbedingt gebraucht hätte.


Ich sag, wie's ist:

Mein Kopf scheint ein ziemlich guter Marketer zu sein.

Er erinnert sich nicht ganz an das Leben. Sondern eher an das, was emotional die stärkste Kampagne war. Marketing für die Seele.


 
 
 

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