Nachmittagstee bei Lara
- Christoph

- 11. Jan.
- 2 Min. Lesezeit

Ich war heute zu einem Nachmittagstee eingeladen.
Das allein ist schon bemerkenswert, denn ich gehöre normalerweise eher zur Fraktion „Kaffee geht immer, Tee nur mit gutem Grund“. Gastgeberin war offiziell Lara – die Tochter meiner langjährigen Bekannten. Vielleicht erinnert sich der eine oder die andere: Das war jene Geschichte mit dem Kekse-Apfelstrudel-Wirrwarr im Kaffeehaus 😉
Damals hatte ihre Mutter irgendwann gesagt:
„Komm doch mal vorbei, wir können in Ruhe weiter über die Zusammenarbeit plaudern.“
Und Lara hatte – mit dieser beneidenswerten Selbstverständlichkeit – ergänzt:
„Ja. Sonntag. Tee trinken.“
Also machten wir genau das.
Sonntag. Nachmittag. Ein Haus, das nach Wochenende roch. Gespräche, die irgendwo zwischen Alltäglichem und Zukunftsplänen pendelten. Alles angenehm. Alles entspannt. Und irgendwo dazwischen dieses stille Gefühl, dass heute jemand anderes den Ton angibt.
Denn Lara war zwar da, aber nicht zuständig.
Sie verschwand immer wieder. Kam zurück. Beobachtete. Prüfte. Verschwand wieder.
Irgendwann stand jemand vor mir.
Kleiner als Lara. Deutlich jünger. Mit einem Blick, der keinen Zweifel zuließ.
„Du sitzt falsch“, sagte sie.
Nicht unfreundlich. Nur sachlich.
Ich rückte den Sessel zurecht.
Sie nickte. Ging wieder.
Kurz darauf hörte ich Schritte. Dann wieder diese Stimme:
„Gleich ist es so weit.“
Ich wusste nicht genau, was „es“ war.
Aber ich hatte das Gefühl, widersprechen wäre unklug.
Es wurde ruhiger. Gespräche verstummten. Bewegungen wurden langsamer. Ich bekam etwas gereicht.
„Bitte“, sagte sie.
Ich nahm es. Bedankte mich.
Sie sah mich aufmerksam an.
„Heiß“, sagte sie.
Ich nickte. Wartete.
Lara kam dazu, lehnte sich an den Türrahmen und lächelte wissend.
Ihre Mutter beobachtete das Ganze mit jener Mischung aus Amüsement und Resignation, die nur Menschen haben, die wissen: Das hier entzieht sich gerade jeder Kontrolle.
Erst ganz am Schluss, als der Nachmittag sich auflöste und der Zauber langsam verblasste, kam die Wahrheit ans Licht.
Ich hatte mir Früchtetee ausgesucht.
Es hätte aber auch völlig egal sein können, welche Sorte.
Denn es war das Spielzeugservice der Vierjährigen.
Und wir hatten nur so getan, als würden wir Tee trinken.
Ich sag, wie’s ist:
Danach bekam ich noch einen richtig guten Kaffee.
Zur völlig falschen Tageszeit.
Einen Cappuccino.
Und der war absolut echt.



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