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Nachwirkungen


Gestern Abend habe ich einen Blog über die zweite Kugel Eis geschrieben. Eigentlich war das Thema damit erledigt. Dachte ich zumindest. Was danach passiert ist, kann man sich eigentlich gar nicht ausdenken. Zumindest ich nicht.


Heute ist Sonntag. Und wenn ich schon einmal nicht irgendwo unterwegs bin, mache ich etwas, das ich wirklich gerne mache.


Ich esse Eis.

Viel komplizierter war mein Sonntagsprogramm heute nicht. Wobei ich feststellen musste, dass ich für erstaunlich viele Dinge keine Geduld habe.


Für Warteschlangen zum Beispiel. Ich stelle mich grundsätzlich nicht an.

Nicht beim Bäcker.

Nicht im Supermarkt.

Nicht vor einem Clubbing

Nicht einmal beim besten Kaffee. (fast.)


Dann verzichte ich lieber.

Außer...

...es geht um Eis.


Da verliere ich plötzlich sämtliche Prinzipien. Vielleicht ist das meine einzige wirkliche Charakterschwäche. Oder zumindest die günstigste.😉


Also stand ich heute Nachmittag in einem meiner Lieblingseisgeschäfte in der Wiener Innenstadt. Sonntag. Etwa drei Uhr.


Entsprechend viele Menschen.

Vor mir ein Vater. Mit zwei kleinen Mädchen.


Kinder und Eistheken sind übrigens eine faszinierende Kombination. Die Augen bestellen meistens deutlich mehr, als der Bauch später essen kann. Während noch über Erdbeere, Schokolade und irgendetwas mit bunten Streuseln diskutiert wurde, überlegte ich bereits eine meiner Standardbestellungen.


Fiocco

Zitrone.

Zwei Kugeln.

Im Becher.

Nicht im Stanitzel.

Beigefarbenes Hemd.

Ich kenne mich.


Man muss das Schicksal ja nicht unnötig herausfordern.


Dann kam der Moment des Bezahlens. Der Vater griff in die Hosentasche. Kurze Pause.

Dann sagte er zur Verkäuferin:

„Ups ... die Geldbörse hat meine Frau. Ich bin gleich wieder da.“

Die beiden Mädchen schnappten sich ihre Eisbecher und liefen schon einmal nach draußen.

Ich war an der Reihe.

„Zweimal bitte. Fiocco und Zitrone, im Becher“

Kurze Pause. Und dann passierte etwas Merkwürdiges.

Nicht in meinem Kopf. Der war nämlich erstaunlich langsam.

Mein Mund war schneller.

„...und den Herrn vor mir zahle ich mit.“

Gesagt.

Bezahlt.

Rausgegangen.


Ich habe mit der Familie kein einziges Wort gesprochen.

Nicht einmal Augenkontakt. Jetzt sitze ich hier. Es ist kurz nach neun am Abend.

Und ich frage mich ernsthaft: Warum eigentlich?


Ich weiß nicht, ob diese Familie das gebraucht hat. Vielleicht war der Vater Unternehmer.

Vielleicht die Frau die neue Generaldirektorin von.... Vielleicht hätte die Frau draußen 5.000 Euro in der Geldbörse gehabt.


Ich weiß es nicht- und völlig egal. Und ehrlich gesagt war das in diesem Moment auch gar nicht meine Frage. Ich habe das weder überprüft noch hinterfragt. Es ist einfach passiert.


Und genau das beschäftigt mich. Nicht das Bezahlen. Sondern der Moment davor.

Oder besser gesagt: Der Moment, in dem gar kein Nachdenken stattgefunden hat.


Vielleicht war das einfach eine völlig belanglose Situation.

Oder...

...hat mein Kopf den gestrigen Blog einfach noch nicht fertig gedacht.


Vielleicht schreiben wir Texte eben nicht nur für andere. Vielleicht schreiben sie manchmal auch ein kleines Stück an uns selbst weiter.


Ich sag, wie's ist:

Mit dieser Möglichkeit könnte ich sehr gut leben.

 
 
 

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