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Platz schaffen und verschenken




Den Irrsinn des heutigen Tages, über den ich eigentlich schreiben wollte, lass ich mal so stehen. Denk mir - ich schreib mal über das Highlight.


Ich habe heute mein Auto ausräumen müssen.

Oder sollen.

Oder… naja.


Der Kofferraum offen.

Ich davor.

Dieses kurze Innehalten, wenn man weiß: Das wird jetzt kein schneller Handgriff.


„Na gut“, sage ich zu mir.

Ich sage oft „na gut“ zu mir.

Meistens, wenn ich weiß, dass ich mir selbst nicht ganz glaube.


Also beginne ich.

„Was ist das?“

Keine Ahnung.

„Warum ist das da?“

Noch weniger Ahnung.


Ein Schal, den ich offenbar für alle Jahreszeiten mitführe.

Ein Notizbuch, das ambitioniert begonnen wurde und nach drei Seiten beschlossen hat, lieber leer zu bleiben. Im Handschuhfach - Dinge die ich besser vergessen hätte.

Und dann: eine Flasche Frizzante.


Ich halte sie hoch.

Schaue sie an.

Sie schaut zurück. Also gefühlt.

„Wie kommst du bitte hierher?“

Stille.

Die Flasche schweigt.


"Moments 1" steht drauf.

Das macht die Sache nicht klarer, nur sympathischer.


Ich weiß nicht, warum sie im Auto war.

Ich weiß nicht, seit wann.

Aber sie ist da.


Also nehme ich sie mit.

Einfach so.

Trage sie durch die Gegend wie einen etwas unpraktischen Gedanken.


„Was mach ich jetzt mit dir?“

Ich frage das laut.

Man weiß ja nie, wer zuhört.


Ich gehe ein paar Schritte.

Bleibe stehen.

Gehe weiter.


Und dann treffe ich sie.

Eine Bekannte.

Beladen mit Einkaufstaschen.

Diese typische Mischung aus „Ich hab alles bekommen“ und „Warum ist das jetzt so schwer“.


„Na hallo!“, sagt sie.

„Na hallo!“, sage ich.


Smalltalk.

Wetter.

Der klassische Einstieg ins Nichts.


Dann schaue ich auf die Taschen.

Und höre mich sagen:

„Das schaut nach Wochenende aus.“

Sie lacht.

„Ja, ein bisschen zumindest.“


Ich nicke.

Deute auf die Taschen.

Deute auf die Flasche.


„Zu guten Dingen gehört auch was Gutes zu trinken.“

Kurze Pause.

Ich halte ihr die Flasche hin.

„Darf ich dir die schenken?“

Sie schaut mich an.

Dann die Flasche.

Dann wieder mich.


Dieses kurze Zögern, wenn jemand merkt, dass gerade etwas passiert, das nicht geplant war – aber gut.


„Echt?“

„Ja. Echt."


Sie lächelt. Nicht höflich. Richtig.

„Das ist aber lieb.“

Und in diesem Moment weiß ich:

Das war die einzig richtige Verwendung für diese Flasche.


Zwei Fliegen.

Eine Klappe.

Und ein bisschen mehr Leichtigkeit im Raum.


Wir verabschieden uns.

Sie geht weiter – etwas beschwingter.

Ich gehe weiter – ohne Flasche, aber mit diesem leisen, guten Gefühl.


Manchmal braucht es keinen Anlass.

Keinen Plan.

Keinen Grund.


Manchmal reicht es, etwas herzugeben, von dem man nicht einmal wusste, warum man es hatte.


Ich sag, wie’s ist:

Wenn man schon Platz schaffen muss, dann bitte nicht nur im Auto. Und jetzt denk ich mir. So wie der Tag war: Ich hätte sie selbst saufen sollen.

 
 
 

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