Soll ich das wirklich machen?
- Christoph

- vor 4 Tagen
- 2 Min. Lesezeit

Diese Frage hat sich heute in meinem Kopf breitgemacht wie Basilikum auf einem gut gegossenen Balkon im Hochsommer.
Irgendwie spricht es sich ja seit Jahren herum: Es gibt da diesen inoffiziellen, völlig ungeförderten, nicht eingetragenen, aber sehr ernst gemeinten Christophs Cooking Club. Klingt exklusiv. Ist es auch. Mitgliederzahl schwankt zwischen eins und „wer halt gerade in der Küche steht“.
Kennst du nicht?
Macht nichts. Ist auch schwer, weil es keine Website gibt, zwar ein Logo, aber kein Abo-Modell und – tragischer Marketingfehler – nicht mal Merchandising. Nicht einmal eine Schürze mit Aufdruck. Eigentlich peinlich.
Es gab jedenfalls Zeiten, da wurde ich gebucht und hab es sogar zugelassen.
Nicht zum Reden. Nicht für Marketing. Nicht für kluge Gedanken vor Menschen, die so tun, als würden sie mitschreiben.
Sondern zum Kochen.
Bei Leuten zu Hause. Wenn Gäste kamen. Wenn Stimmung gebraucht wurde. Wenn jemand gesagt hat:
„Mach du das. Du kannst das.“
Ich kam dann nicht mit großen Töpfen.
Ich kam mit:
– absurd scharfen Messern
– gutem Olivenöl (ich hatte wirklich mal eine Phase, da habe ich Olivenöle gesammelt wie andere Menschen Sneaker)
– frischen Kräutern
– und dieser gefährlichen Mischung aus Selbstvertrauen und Improvisationslust.
Rosmarin. Thymian. Salbei. Estragon.
Und Basilikum nur dann, wenn er nicht traurig geschaut hat. Trauriger Basilikum kommt mir nicht in die Pfanne. Da bin ich streng.
Gekocht wurde nicht nach Rezept.
Gekocht wurde nach Kühlschrank.
Das ist hohe Schule.
Das ist Jazz.
Das ist kulinarisches Fallschirmspringen ohne Fallschirm, aber mit Butter.
„Was gibt’s?“ „Schau ma mal.“
Und jetzt kommt dieser Anruf.
Ob ich nicht Lust hätte.
Ein besonderes gastronomisches Konzept.
Einmal im Monat.
Ein Abend.
Ein Gericht.
Nicht Menü.
Nicht Auswahl.
Nicht „oder“.
Ein Gericht.
Für alle.
Den ganzen Abend.
Ich sag’s dir: Allein das Konzept ist schon so herrlich verrückt, dass es fast wieder genial ist. Oder andersrum. In meiner Welt ist das dasselbe.
Ein Gericht ist radikal.
Ein Gericht ist ehrlich.
Ein Gericht ist: „Das ist es. Friss — im philosophischen Sinn — oder philosophier.“
Ich hab sofort Bilder im Kopf.
Ein riesiger Topf.
Dampf.
Menschen, die fragen: „Und was gibt’s noch?“
Und ich sage: „Gespräch.“
Ich denke an meine Messer.
Die guten.
Die, bei denen Tomaten schon beim Hinschauen in Scheiben fallen.
Ich denke an Olivenöl.
Dunkle Flaschen. Kleine Produzenten. Namen, die man nicht aussprechen kann, aber schmecken.
Ich hatte wirklich mal mehr Olivenöl als Hemden. Was rückblickend keine ideale Lagerstrategie war.
Ich denke an Kräuter.
Frisch. Nicht totgestreut.
Kräuter sind kein Dekor. Kräuter sind Charakter.
Und dann denke ich diesen gefährlichen Gedanken:
Warum eigentlich ich?
Und gleich danach den noch gefährlicheren:
Warum eigentlich nicht?
Vielleicht genau deswegen.
Weil ich nicht standardisiert koche.
Weil ich rede beim Kochen.
Weil ich abschmecke wie andere Menschen Entscheidungen treffen: intuitiv und mit Risiko.
Und ja — man muss sich selbst befragen, bevor man antwortet.
Nicht den Kalender.
Nicht die Vernunft.
Nicht Excel.
Sich.
Ob man Lust hat.
Ob man Energie hat.
Ob man diesen kleinen inneren Funken spürt, der sagt:
„Das könnte großartig werden. Oder zumindest sehr gut gewürzt.“
Verrückt ist das Konzept.
Aber gute Dinge waren fast immer ein bisschen verrückt.
Und wenn ich ehrlich bin:
Es klingt verdächtig nach mir.
Ich sag wie’s ist.



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