Sometimes we...
- Christoph

- 17. Jan.
- 2 Min. Lesezeit

Ich hatte vor einiger Zeit eine dieser Online-Plaudereien mit einer Bekannten, die man nicht plant. Kein fixes Thema.
Kein Ziel.
Einfach reden.
Über Gott und die Welt – wobei es, wenn wir ehrlich sind, meistens eher die Welt war. Nachrichten. Menschen. Eigenheiten. Job. Wetter. Alles mögliche. Diese kleinen Unterschiede im Denken, die entstehen, wenn man nicht im selben Land aufgewachsen ist. Man lacht. Man widerspricht sich. Man nickt, obwohl der andere einen nicht sehen kann.
Und dann passiert das, was bei solchen Gesprächen manchmal passiert:
Es wird plötzlich tiefgründig.
Ohne Vorwarnung.
Ohne dramatische Musik im Hintergrund.
Sie sagt meinen Namen.
„You know, Christoph …“
Diese drei Worte, die immer ankündigen, dass jetzt etwas kommt, das nicht einfach nur Smalltalk ist.
Und dann sagt sie diesen Satz.
Ganz ruhig.
Fast beiläufig.
“You know, sometimes we don’t wanna heal, because pain is the only connection to what we’ve lost.”
Ich habe in dem Moment nichts darauf gesagt.
Ich habe auch nicht gefragt, warum sie das in dem Moment erwähnt hat, oder ich weiß es nicht mehr genau. Ging´s um ihre Oma? Spielt auch keine Rolle.
Nicht, weil ich nichts zu sagen gehabt hätte.
Sondern weil manche Sätze zuerst einfach nur da sein wollen.
Der Satz ist mir heute wieder eingefallen. Nicht aus einem traurigen Anlass.
Sondern einfach so.
Jetzt beim Sitzen hier vor dem Computer - Beim Denken.
Vielleicht, weil er sich irgendwo abgespeichert hat, wo wichtige Dinge liegen.
Was mich daran beschäftigt, ist nicht der Schmerz an sich.
Sondern die Idee dahinter.
Dass Heilung manchmal nicht nur Befreiung bedeutet,
sondern auch Verlust.
Dass man etwas loslässt –
und damit auch die letzte Verbindung zu dem, was einmal war.
Nicht, weil man leiden will.
Sondern weil Schmerz manchmal wie ein Beweis wirkt.
Dass etwas echt war. Dass es Bedeutung hatte.
Dass es nicht einfach nur eine Phase war, die man abhaken kann.
Vielleicht halten wir an manchen Dingen fest,
nicht aus Schwäche,
sondern aus Loyalität.
Zu einem Gefühl.
Zu einer Erinnerung.
Zu einer Version von uns selbst, die es sooo nicht mehr gibt.
Das heißt nicht, dass man nicht heilen sollte.
Oder dass man im Schmerz wohnen bleiben muss.
Aber vielleicht erklärt es, warum manche Prozesse länger dauern.
Warum man manchmal zögert.
Warum man innerlich sagt:
Noch nicht.
Ich finde diesen Gedanken nicht traurig.
Eher menschlich.
Fast logisch.
Heilung ist kein Schalter.
Und Loslassen kein Wettbewerb.
Manches braucht Zeit.
Und manches braucht einfach Anerkennung,
bevor es gehen darf.
Ich sag wie’s ist:
Manche Sätze bleiben nicht hängen, weil sie weh tun.
Sondern weil sie per se einfach irgendwie ihre Richtigkeit haben.



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