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Die leeren Taschen


Heute ist mir etwas aufgefallen. Ich habe erstaunlich viele Taschen.

Hosentaschen.

Jackentaschen.

Fototaschen.

Rucksäcke mit Fächern, von denen ich bis heute nicht weiß, wofür sie eigentlich gedacht sind.


Und trotzdem suche ich ständig irgendetwas.

Den Autoschlüssel.

Die Sonnenbrille.

Den Parkschein.

Oder diesen kleinen Engel, von dem ich ganz genau weiß, dass ich ihn eingesteckt habe.

Nur eben nicht wohin. Gerade das ich nicht mein Leben suche.😉


Interessant eigentlich.

Je mehr Taschen man besitzt, desto größer scheint die Wahrscheinlichkeit zu werden, dass genau die gesuchte Sache in der einzigen Tasche liegt, in die man nicht zuerst greift.


Das muss irgendein Naturgesetz sein. Ungefähr auf einer Stufe mit:

Das Marmeladenbrot fällt immer auf die bestrichene Seite.

Oder: Die Schlange, in der man ansteht, ist garantiert die langsamste.


Besonders spannend wird es bei Jackentaschen.

Da trägt man plötzlich eine Jacke. Gestern noch dieselbe Jacke. Heute findet man darin zwanzig Euro. Man freut sich. Bis einem einfällt, dass das die eigenen zwanzig Euro sind.😄


Oder man entdeckt einen Einkaufszettel.

Darauf stehen:

Milch.

Butter.

Tomaten.

Und man überlegt kurz, ob man das alles inzwischen eigentlich gekauft hat.


Noch schöner wird es bei alten Eintrittskarten. Man hebt sie gar nicht bewusst auf.

Sie bleiben einfach irgendwo stecken. Zwischen Stoff und Innenfutter. Und Monate später hält man sie wieder in der Hand. Zum Beispiel vom Coldplay-Konzert im letzten Jahr.

Plötzlich hört man die Musik wieder. Sieht die leuchtenden Armbänder. Und ist für einen kurzen Moment wieder genau dort.


Erstaunlich, was so ein kleines Stück Papier alles speichern kann.


Oder diese Hotelkarten- Jeder kennt sie. Beim Auschecken ist man felsenfest davon überzeugt, sie längst abgegeben zu haben. Wochen später taucht sie plötzlich in irgendeiner Jackentasche wieder auf. Und man denkt sich: Gut, dass sie mir damals den Aufenthalt nicht verrechnet haben.


Vielleicht sind Taschen deshalb gar nicht zum Aufbewahren da. Sondern zum Vergessen.

Bis der richtige Moment kommt. 😄


Und dann greift man hinein.

Findet einen alten Kassenzettel.

Eine Hotelkarte.

Ein Münzstück aus einem anderen Land.

Oder einen Zettel, auf dem man sich irgendeine geniale Idee notiert hat. Die damals vermutlich genial war. Heute versteht man die eigene Handschrift nicht mehr.


Ich frage mich ohnehin, warum wir manche Dinge so sorgfältig aufheben.

Steine vom Strand.

Muscheln.

Festivalbänder.

Oder Kinokarten.


Wobei ... Eine Kinokarte wird man bei mir eher vergeblich suchen. Ich gehe ungefähr so oft ins Kino wie andere Menschen zum Synchronschwimmen. Ich brauche dieses kollektive Fernsehen irgendwie nicht.😄


Dabei sind es oft gar nicht die Dinge, an die wir uns erinnern. Sondern daran, wie wir uns damals gefühlt haben. Und manchmal genügt ein zerknitterter Kassenzettel oder eine vergessene Konzertkarte, damit plötzlich ein ganzer Tag wieder da ist.


Ich sag, wie's ist:

Vielleicht sind Taschen gar nicht deshalb so interessant, weil wir dort Dinge hineinlegen. Sondern weil wir nie genau wissen, welche Erinnerungen wir irgendwann wieder herausziehen.

 
 
 

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