top of page

Vom Verhalten. Vom Knall. Und vom Verschwinden.


Heute wollte ich über was ganz anderes schreiben und dann bekam ich jetzt einen Anruf.

„Du Christoph … wollte dir mal was erzählen und dich etwas fragen.“

Was dann kam, war eine Geschichte.

Nicht spektakulär.

Nicht dramatisch.

Eher eine dieser Erzählungen, die man schon hundertmal gehört hat – nur jedes Mal mit anderen Namen, anderen Orten, anderen Details.


Und am Ende die Frage:

Ob ich verstehe, warum sich diese Person so verhält.


Wild, dachte ich zuerst.

Aber eigentlich gar nicht wild.


Weil es Menschen eben gibt, die sich verhalten auf eine Art, wie du dich niemals verhalten würdest.

Nicht, weil du besser bist.

Sondern weil du anders bist. (naja vielleicht doch besser 😉)

Und weil der andere vielleicht hundert Gründe hat, die du nicht kennst.

Oder nicht kennen willst.

Oder auch gar nicht kennen musst.


So ging das Gespräch weiter.

Mit vielen Warums.

Mit Erklärungsversuchen.

Mit diesem menschlichen Reflex, Verhalten einordnen zu wollen.


Und irgendwann habe ich gesagt:

„Naja … sie verhalten sich zumindest.“

Und genau da bin ich hängen geblieben.


Weil Verhalten – so schräg, unfair oder unverständlich es auch sein mag – immerhin etwas ist.

Es ist sichtbar.

Es ist greifbar.

Man kann darüber sprechen.

Man kann es analysieren.

Man kann es sogar falsch interpretieren, aber immerhin existiert etwas, woran man sich reiben kann.


Und dann gibt es da noch eine zweite Gruppe.

Die, die nicht einfach nur reagieren – sondern bewusst eskalieren.


Nicht dieser liebevolle Knall, den manche im Kopf haben, wenn sie sagen:

„Es musste halt mal raus.“


Sondern der andere Knall.

Der kalkulierte.

Der herbeigeführte.


Ein Streit, der keiner sein müsste.

Ein Satz, der genau weiß, wo er trifft.

Ein Verhalten, das nur ein Ziel hat:

Schnell raus aus der Situation, weil man in eine andere, neue rein will.


Warum dieser Weg?

Weil ein Knall praktisch ist.

Weil zu einem Streit immer zwei gehören.

Weil Verantwortung sich dadurch besser verteilt.

Weil man sich später sagen kann:

„War halt emotional.“

„War halt kompliziert.“

„Wir haben uns halt gestritten.“

Es ist leichter, sich selbst zu entlasten, wenn es laut war.


Und dann gibt es noch eine dritte Kategorie.

Die, über die man am wenigsten spricht – vielleicht, weil sie am schwersten auszuhalten ist.


Menschen, die sich gar nicht verhalten.

Die keinen Knall brauchen.

Keine Erklärung.

Keinen Abschied.


Sie sind einfach weg.

Kein Gespräch.

Kein Streit.

Kein letztes Wort, an dem man sich festhalten könnte.

Nur Stille.


Und ja, streng genommen ist auch das ein Verhalten.

Aber es ist wohl das unmenschlichste von allen.


Denn während man über Verhalten sprechen kann

und einen Knall zumindest hört,

lässt einen das Verschwinden mit nichts zurück.


Kein Warum.

Kein Dagegen.

Kein Dafür.


Nur mit dem Echo der eigenen Gedanken.

Am Ende – und das ist das Bittere daran –

führen alle drei Wege oft zum selben Ergebnis.

Distanz.

Abbruch.

Leere.


Der Unterschied liegt nur im Geräuschpegel.


Und während wir noch darüber nachdenken, warum Menschen tun, was sie tun,

merken wir manchmal gar nicht, dass wir weniger über sie sprechen

und immer mehr über unsere eigenen Maßstäbe.


Darüber, was für uns noch menschlich ist.

Und was nicht mehr.


Ich sag, wie’s ist:

Ich verstehe vieles.

Aber nicht alles muss man verstehen.

Manches reicht es einzuordnen.

Und manches darf man einfach beim Namen nennen.

 
 
 

Kommentare

Mit 0 von 5 Sternen bewertet.
Noch keine Ratings

Rating hinzufügen
bottom of page