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Warum ist eigentlich alles… warum?


Warum?

Ich bin ja ein Fan vom „Warum“.


Nicht aus Prinzip.

Nicht, weil ich alles analysieren muss wie ein Tatort-Kommissar auf Koffein.

Sondern weil dieses kleine Wort manchmal wie ein Lichtschalter ist:


Klick.

Und plötzlich macht etwas Sinn.

Oder zumindest ein bisschen.


Ich tu mir – wie vermutlich jeder Mensch – leichter, wenn ich bei Dingen das Warum kenne.

Wenn ich verstehe, warum etwas so ist, wie es ist.

Dann kann ich es besser einordnen.

Dann wird aus Chaos ein Muster.

Aus Irritation ein „Aha“.

Aus Kopfschütteln… zumindest ein kleiner innerer Schulterzucker.


Manchmal ist das Warum auch ganz harmlos.

Warum ist der Himmel blau?

Warum quietscht genau diese eine Tür immer dann, wenn man leise sein will?

Warum schmeckt das Essen im Flugzeug immer ein bisschen wie „Joa… wir haben’s versucht“?


Und dann gibt es Warum-Fragen, die man gar nicht stellt.

Weil sie sich nicht stellen.


Ich denke zum Beispiel nicht über die Schwerkraft nach.

Nicht mal ich.


Wobei… Physik kann man ja „einfach erklären“, sagt man immer so schön.

Das können aber nur Menschen, die mit Formeln kuscheln und Spaß dabei haben.

Also die besten Physiker:innen.

Ich bin da raus.

Ich nehme die Schwerkraft so wie sie ist:

Sie ist da.

Sie wirkt.

Und sie wartet geduldig auf jeden einzelnen Fehltritt.


Das ist ein Warum, das ich nicht brauche.

Weil es keine Emotion hat.


Aber dann gibt es diese anderen Warums…


Die, die nicht nur erklären wollen. Sondern beruhigen.

Die, die nicht nur logisch sind. Sondern menschlich.


Und das sind meistens genau die „Warum“-Fragen, die uns am meisten beschäftigen.

Nicht weil wir dramatisch sind – sondern weil wir fühlen.


Und dann gibt es diese anderen Situationen…

Da bekommst du sogar eine Antwort.

Vielleicht eine plausible.

Vielleicht sogar eine ehrliche.


Und trotzdem bleibt in dir dieses Gefühl:

„Ja… aber es reicht nicht.“


Weil das Warum dann nicht beruhigt, sondern nur beschreibt.

Es erklärt, was passiert ist – aber nicht, warum es so triggert.

Oder warum du dir mehr erwartet hättest.

Oder warum du gedacht hast, jemand wäre anders.


Und manchmal ist das „Warum?“ auch so eine freche Illusion:

Man glaubt, wenn man nur lang genug fragt, wenn man nur lang genug versteht…

…dann wird das Ganze logisch.

Und Logik fühlt sich an wie Kontrolle.


Aber gewisse Dinge im Leben sind nicht logisch.

Sie sind einfach nur… passiert.

Oder nicht passiert.


Und genau dort wird das „Warum?“ gefährlich.

Weil es dann nicht mehr hilft, sondern dich beschäftigt hält.

Wie ein Lied im Kopf, das man nicht mal mag – aber es läuft trotzdem.


Vielleicht ist das der Punkt:

Es gibt „Warum“-Fragen, die sind wie ein Lichtschalter.

An. Aus. Erledigt.


Und es gibt „Warum“-Fragen, die sind wie eine offene Tür in einem dunklen Raum.

Du schaust rein… und du weißt nicht, ob du wirklich sehen willst, was da ist.


Und das Gemeine ist:

Manchmal stellt man das „Warum?“ nicht, weil man wirklich eine Antwort will.

Sondern weil man hofft, dass die Antwort etwas repariert.

Tut sie aber nicht.


Und jetzt kommt noch eine Kategorie, die ich in letzter Zeit immer öfter beobachte.

Manchmal bekommst du auf dein „Warum?“ sogar eine Antwort.

Nicht, weil jemand eine gute hat. Sondern weil du gerade keine hast.


Und Menschen, die dich manipulieren wollen, spüren genau das.

Sie merken, dass du gerade suchst.

Dass du eine Lücke hast – im Denken oder im Gefühl.


Und dann geben sie dir eine Antwort.

Nicht die Wahrheit.

Nicht die beste Erklärung.

Nicht einmal eine besonders kreative.

Sondern einfach… irgendeine.


Und sie wiederholen sie.

Und wiederholen sie.

Und wiederholen sie.


So lange, bis sie sich nicht mehr wie eine Aussage anfühlt, sondern wie ein Fakt.

Das ist übrigens die billigste Form von Sicherheit: Wiederholung.


Und dann frag ich mich manchmal wirklich:

Warum gibt es solche Menschen?

Warum reicht es ihnen nicht, einfach sie selbst zu sein?

Warum müssen sie jemanden verwirren, um sich selbst stabiler zu fühlen?

Warum geben sie dir Sätze wie Pflaster – obwohl sie wissen, dass es eigentlich offene Wunden sind?


Und ja… vielleicht haben auch sie ihre Gründe.

Vielleicht haben auch sie Angst.

Vielleicht haben auch sie zu wenig in sich selbst.


Aber ich sag’s mal so:

Das ist dann nicht mehr mein Warum-Problem.

Vielleicht ist das die eigentliche Erkenntnis:

Nicht jedes „Warum?“ verdient deine Energie.


Manche Fragen verdienen eine Antwort.

Andere verdienen einfach nur ein inneres „Aha“.


Und manche verdienen einen klaren, stillen Cut.

Nicht weil man hart wird.

Sondern weil man irgendwann merkt:

Man kann nicht jedes Rätsel lösen, ohne sich dabei selbst zu verlieren.


Und es gibt Dinge, die bleiben ein Warum.

Ganz egal, wie sehr du dich bemühst, sie zu verstehen.


Ich sag, wie’s ist:

Manchmal ist die beste Antwort auf „Warum?“

ein ganz simples: „Genug.“

 
 
 

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