Wenn der Feiertag plötzlich bewaffnet ist
- Christoph

- 6. Jan.
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 7. Jan.

Heute war Feiertag.
Genauer gesagt der 6. Jänner.
Was das bedeutet, war mir zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht so bewusst – ich wollte eigentlich nur kurz in den Supermarkt. Mehr nicht. Kein großes Programm. Ein Feiertag halt.
Und sogar bei uns haben bestimmte Supermärkte offen. Sichtlich hat sich Staat und Kirche mal geeinigt.
Ich sitze also noch im Auto am Parkplatz, Fensterscheibe auf der Fahrerseite offen, das Handy in der Hand. Dieses typische „Ich geh gleich rein, aber noch nicht jetzt“-Verhalten.
Neben mir parkt ein Audi ein. Wiener Kennzeichen. W…
Details merkt man sich ja manchmal ganz unabsichtlich. Sicherheitshalber 😂
Auf der Beifahrerseite des Audis steigt ein Mann aus, vielleicht Anfang dreißig. Und ich höre ihn sagen:
„Na dann kauf ma uns a Jausn.“
(Jause = eine kleine Mahlzeit zwischendurch, für meine deutschen Freunde.)
Ich schaue automatisch hoch.
Nicht neugierig. Nicht absichtlich.
Sondern weil sich seine Gürtellinie exakt auf meiner Augenhöhe befindet.
Und dort sehe ich etwas, das ich nicht erwartet habe.
Ein Holster.
Mit Inhalt.
Groß.
Sehr groß.
So groß, dass ich mir denke:
Mit dem Ding muss man vermutlich nicht einmal zielen.
Der erledigt das Umfeld gleich mit.
Ich sage – vielleicht minimal zu laut:
„Na servas, der hot a Puffn.“
(Puffn = wienerisch für eine (meist) Handfeuerwaffe.)
Der Mann hört das. Dreht sich zu mir.
Und sagt völlig entspannt:
„Jo. Des Ding kau wos.“
(„Das Ding kann was.“)
Ich nicke anerkennend, weil mir in dem Moment nichts Gescheiteres einfällt, und sage:
„Na, i geh davon aus. Riesn Puffn. Und in Zivü … Sie san a Kriminesa, oder?“
(Kriminesa = Kriminalbeamter, vorzugsweise in Zivil, der meist erst handelt bevor er Fragen stellt😉)
Er grinst.
„Na, do haum ma an Blitzgneisa.“
(Blitzgneisa = jemand, der schnell etwas checkt, leicht spöttisch gemeint.)
Dann schaut er mich an:
„Und Sie? Wos mochn Sie do im Auto genau?“
Ich, ohne groß nachzudenken:
„Na, noch wos schaut’s aus? I bin a Bücha!“
(Bücha= Gauner, zwielichtiger Typ, der sich nicht so ganz an die Gesetze hält)
Er hebt eine Augenbraue.
„Aha … soll ma uns des genauer anschauen?“
Ich:„Is Ihna fad?“
(„Ist Ihnen langweilig?“)
Er: „Ah … a Lustiga.“
In diesem Moment fällt mir auf:
Sie sind zu dritt.
Alle zivil.
Alle erstaunlich gelassen.
Und alle mit dieser sehr speziellen Ausstrahlung von Menschen, die hier nicht einkaufen müssen. Ich beschließe, sicherheitshalber auf Hochdeutsch zu wechseln.
Man weiß ja nie.
„Jedenfalls eine wirklich coole Jacke, die Sie da tragen, tolles Auto fahren Sie, ich hoffe Sie haben einen halbwegs ruhigen Arbeitstag...“
Keine Ahnung was ich noch alles gesagt habe, um ein wenig die Fahrt raus zu nehmen.
Ich hab Erfahrung mit solchen Menschen (eine andere Geschichte😂)
Er, noch immer im Dialekt:
„San Sie nervös?“
Ich schaue kurz an ihm vorbei, sehe seine beiden Kollegen und sage:
„Naja … sagen wir so: Auch wenn ihr zu dritt seid – wie die Heiligen Drei Könige schaut ihr jetzt auch nicht unbedingt aus.“
Kurze Pause.
Dann sagt er, leicht genervt:
„Lustiger. I kontrollier di eh ned.“
Ich korrigiere ruhig:
„Ich kontrolliere Sie nicht.
Er schaut mich an.
Seufzt.
Wechselt ebenfalls ins Hochdeutsche.
„Na gut. Dann gut Herr Lustig, ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag, wir haben´s eilig.“
Und ich denke mir, während ich aussteige – diesmal wieder ganz für mich, ganz wienerisch:
„Kiwara san trotzdem irgendwie Hawara“
(Polizisten sind doch irgendwie Freunde)
Feiertag halt.
Manche gehen in den Supermarkt.
Andere auf Streife in zivil.
Ich sag wie´s ist:
manchmal trifft man sich am Parkplatz –
und merkt erst im Nachhinein,
dass der 6. Jänner doch mehr Bedeutung hatte, als man dachte.



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