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Wie lange wartet man?


Vor ein paar Tagen hat mir jemand in einem Gespräch etwas erzählt. Ganz nebenbei. Fast so, als wäre es nichts Besonderes. Er sagte, er warte schon seit Jahren auf eine Entschuldigung.


Das Gespräch war längst vorbei.

Und ausgerechnet dieser eine Satz ging mir nicht mehr aus dem Kopf.


Wie lange wartet man eigentlich auf eine Entschuldigung?

Eine Stunde?

Eine Woche?

Ein Jahr?


Oder gibt es irgendwann einen Zeitpunkt, an dem man einfach aufhört zu warten? Manchmal beschäftigt einen nicht einmal das, was passiert ist. Sondern das, was danach nicht passiert.


Eine Entschuldigung. Am Anfang erklärt man sich das noch.

Vielleicht braucht der andere einfach Zeit.

Vielleicht muss er erst darüber schlafen.

Vielleicht ist ihm das Ausmaß noch gar nicht bewusst.


Dann werden aus Tagen Wochen. Aus Wochen Monate. Und irgendwann ertappt man sich bei einem merkwürdigen Gedanken. Vielleicht wartet man auf etwas, das nie kommen wird.


Das Verrückte ist:

Man wartet gar nicht auf eine Wiedergutmachung. Manches lässt sich ohnehin nicht mehr ändern. Man wartet nicht auf eine Lösung.

Man wartet auf etwas viel Kleineres.

Und gleichzeitig auf etwas viel Größeres.


Auf eine Entschuldigung. Nicht wegen des Wortes. Sondern wegen der Einsicht, die dahintersteht. Weil sie erklärt. Weil sie ein Warum liefert. Weil man plötzlich versteht, was im Kopf des anderen passiert ist.


Eine Entschuldigung verändert die Vergangenheit nicht.

Aber manchmal verändert sie den Blick darauf.


Das Interessante ist, dass man dabei immer davon ausgeht, der andere müsse doch erkennen, was passiert ist. Aber woher weiß man das eigentlich?


Man geht irgendwann davon aus, dass das Fehlverhalten so offensichtlich war, dass es darüber gar keine zwei Meinungen geben kann. Dass eine Entschuldigung eigentlich nur noch eine Frage der Zeit ist. Bis man irgendwann begreift, dass der andere dieselbe Situation vielleicht völlig anders erlebt hat. Oder sie bis heute gar nicht als Fehlverhalten sieht.


Vielleicht hat er es längst vergessen.

Vielleicht hat er sich nie Gedanken darüber gemacht.

Vielleicht weiß er aber auch ganz genau, dass eine Entschuldigung angebracht wäre.

Und entscheidet sich trotzdem dagegen.


Das ist wahrscheinlich der schwierigste Gedanke. Nicht, weil er besonders schmerzhaft ist.

Sondern weil er einem die Hoffnung nimmt. Eine ausbleibende Entschuldigung ist am Ende vielleicht selbst schon eine Antwort.


Nicht die, die man hören wollte. Aber eine Antwort.


Ich sag, wie's ist:

Vielleicht leben zwei Menschen jahrelang mit derselben Erinnerung.

Aber in zwei völlig unterschiedlichen Wirklichkeiten.

 
 
 

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